Selenskyj macht Angebot an Putin – direkte Friedensgespräche auf neutralem Boden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem offenen Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin direkte Gespräche zur Beendigung des Krieges vorgeschlagen. Das Treffen solle auf neutralem Boden stattfinden, etwa in der Schweiz, der Türkei oder einem der arabischen Staaten. US-Präsident Donald Trump reagierte wohlwollend auf die Initiative. Nun liegt der Ball bei Putin, der am Freitag beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg eine Rede halten wird.
Selenskyjs Vorschlag im Detail
In dem vom Präsidentenbüro in Kyjiw veröffentlichten Schreiben heißt es: „Ich schlage Ihnen ein Treffen vor.“ Die Staatsführer sollten die „Schlüsselfragen“ selbst besprechen. Als ersten Schritt schlug Selenskyj eine Waffenruhe entlang der aktuellen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch „aller gegen alle“ und die Rückkehr von Zivilisten sowie während des Krieges verschleppten Kindern folgen. An den Gesprächen sollten Vertreter Europas und der USA als Garanten beteiligt werden.
Reaktionen aus Moskau und Washington
Putin selbst äußerte sich bisher nicht direkt zu dem Angebot. Sein Sprecher wiederholte die bekannte Position: „Präsident Putin hat gesagt, dass Selenskyj nach Moskau kommen könne, wenn er reden möchte.“ Am Donnerstagabend zeigte sich Putin vor der Presse jedoch etwas offener: Russland sei „zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen“. Als Basis dafür nannte er jedoch die Abmachungen von Anchorage, wo Trump Putin im vergangenen Sommer empfangen hatte. Konkrete Ergebnisse wurden damals nicht bekannt. US-Präsident Trump hingegen begrüßte Selenskyjs Vorstoß und sagte, er fände ein Treffen zwischen beiden Führern gut.
Hintergrund: Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg
Das Internationale Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (SPIEF) findet seit 1997 jährlich statt. Bis Samstag werden rund 20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Aus Deutschland nehmen Politiker der in Teilen rechtsextremen AfD teil, was auf scharfe Kritik stieß. Die Veröffentlichung von Selenskyjs Brief erfolgte am Donnerstagabend, just als Putin vor der Presse sprach – und nur einen Tag, nachdem die Ukraine mit Drohnen Energie- und Militäranlagen in Sankt Petersburg angegriffen hatte. Selenskyj versucht, die für Moskau bedeutsame Konferenz militärisch wie diplomatisch zu kapern.
Putins Bedingungen und Selenskyjs rote Linien
Moskau hat mehrfach einen Abzug ukrainischer Truppen aus den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk zur Bedingung für Friedensgespräche gemacht. Kyjiw lehnt einen solchen Gebietsverzicht bisher kategorisch ab. Selenskyj betont, dass das Treffen weder in Moskau noch in Kyjiw stattfinden solle, da kein Staatschef sich ins Feindgebiet begeben wolle. Genau das hatte Putin jedoch stets verlangt. Ob Putin in seiner Rede am Freitag auf Selenskyjs Angebot eingehen wird, bleibt abzuwarten.



