Wolodymyr Selenskyj ist am Dienstag zu einem weiteren Besuch in den USA eingetroffen. Auf dem Programm steht erneut ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Anders als bei der Eskalation im Januar 2025, als Trump Selenskyj mehrfach die Schuld am Krieg gab und die Militärhilfe stoppte, sind die Vorzeichen diesmal positiv. Der ukrainische Präsident bemühte sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich um Trumps Gunst und vermittelt jetzt den Eindruck eines besseren Verhältnisses.
Wendepunkt im Vatikan
Ein kurzes Gespräch im April 2025 im Vatikan habe die Beziehung grundlegend geändert. „Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten“, sagte Selenskyj in einem Interview mit der rechten US-Influencerin Laura Loomer in Kyjiw. Loomer, eine Anhängerin von Trumps Maga-Bewegung, hatte ihre Meinung zur Ukraine öffentlichkeitswirksam revidiert und sich als Unterstützerin positioniert.
Professor Wolodymyr Dubowyk, Direktor des Zentrums für Internationale Studien an der Odessa Nationaluniversität, bestätigte gegenüber der „New York Times“ eine verbesserte Dynamik: „Zwischen ihnen gibt es jetzt eine bessere Chemie. Vielleicht versteht Selenskyj Trump ein wenig besser, vielleicht versteht Trump Selenskyj ein bisschen besser.“
Ukrainische Erfolge auf dem Schlachtfeld
Trump dürfte zudem die jüngsten militärischen Erfolge der Ukraine beeindrucken. Die ukrainische Armee setzt Russland mit Langstreckenangriffen zu: Immer wieder brennen Ölanlagen und Lagerhäuser des Online-Händlers Wildberries, der als russisches Amazon gilt. Trump, der bekanntermaßen Stärke und Siege bewundert, könnte davon positiv gestimmt sein.
Politikberater Harry Nedelcu von Rasmussen Global sieht einen weiteren Grund für Trumps gesteigertes Interesse: „Trumps eigener Krieg gegen den Iran läuft schlecht. Also rückt die Ukraine in den Vordergrund.“ Selenskyj könnte Trump einen dringend benötigten politischen Erfolg verschaffen – etwa Fortschritte bei einem Waffenstillstand, der Luftangriffe zwischen der Ukraine und Russland betrifft.
Selenskyjs Ziele: Sanktionen und Patriot-Raketen
Die Ukraine ist weiterhin auf US-Hilfe angewiesen. Kurz vor dem Tod des Trump-Verbündeten Lindsey Graham sprach Selenskyj in Kyjiw mit dem Senator. Graham verkündete damals die Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland. Dieses richtet sich unter anderem gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit den Krieg finanzieren. Das Paket steckt seit Langem im Senat fest; mehrere Senatoren versuchen nun, Grahams zentrales Anliegen zu Ende zu bringen.
Besonders wichtig sind für Selenskyj vor dem Winter neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen. Kyjiw steht zwar kurz vor dem Erhalt einer Produktionslizenz, doch die Einrichtung einer Fertigung in der Ukraine wird Monate dauern. Die Produktionszahlen werden den Bedarf angesichts des steigenden russischen Raketenbeschusses kaum decken. Ohne US-Waffen und Geheimdienstinformationen kann sich die Ukraine trotz eigener Anstrengungen nicht verteidigen.



