US-Präsident Donald Trump hat einen massiven Schlag gegen das Mullah-Regime im Iran vorerst verschoben. Nach Informationen von US-Regierungsvertretern, die dem „Wall Street Journal“ vorliegen, wurde die geplante Eskalation des Militäreinsatzes gestoppt. Grund sind sowohl diplomatische Bemühungen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus als auch ein interner Streit über die schrumpfenden Munitionsbestände der USA.
Sinkende Munitionsbestände als Problem
General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs der US-Streitkräfte, informierte das Weiße Haus über die alarmierend niedrigen Bestände an Flugabwehr-Abfangraketen. Obwohl Caine die geringen Bestände nicht als unüberwindbares Hindernis für groß angelegte Kampfhandlungen betrachtet, wächst das militärische Risiko beträchtlich. Die Situation könnte sich zu einem ernsten Problem für die USA entwickeln. Hintergrund ist der langwierige Krieg gegen den Iran, der bereits enorme Mengen an militärischem Material verschlungen hat. Seit Kriegsbeginn wurden mindestens 1500 Patriot-Abfangraketen verbraucht. Damit verbleiben den USA weniger als 1000 dieser hochwertigen Abwehrraketen. Analysten warnen, dass dieser Schwund die Fähigkeit der USA schwächen könnte, weltweit Gegner abzuschrecken – darunter auch China.
Trump selbst bestreitet ein Munitionsproblem. In einer Stellungnahme beharrte er: „Wir haben weit mehr Munition als irgendjemand sonst auf der Welt, und weit mehr, als wir brauchen.“ Trotz dieser trotzigen Worte mehren sich die Anzeichen, dass die militärische Schlagkraft der USA unter den anhaltenden Kämpfen leidet. Die hohe Zahl verbrauchter Abfangraketen wirft Fragen zur langfristigen Einsatzbereitschaft auf.
Diplomatische Wiederbelebung
Am Freitag signalisierte Trump, dass die Diplomatie wieder eine Option sei. Zugleich haben die USA in den vergangenen drei Nächten ihre Angriffe komplett eingestellt. „Es gibt einen militärischen Ausweg“, sagte der US-Präsident zu Reportern. „Oder es gibt eine klügere Strategie, bei der man einen Deal macht. Und sie wollen einen Deal machen.“ Mehrere Golfstaaten versuchen, die Diplomatie wiederzubeleben – darunter Oman, dessen Diplomaten am Freitag Teheran besuchten. Auch Pakistan und die Türkei gelten als Vermittler.
Militärexperte Nico Lange erklärte gegenüber BILD: „Dass die USA nach fast zwei Wochen mit den Bombardements aufgehört haben, öffnet für regionale Akteure wie Oman, Pakistan und die Türkei den Weg, neue Regelungen für die Straße von Hormus zu erarbeiten.“ Die Welt müsse sich aber darauf einstellen, „dass das Hin und Her noch eine Weile weitergehen wird.“
Militärexperte sieht keine Optionen
Ein großes Problem der USA bleibe weiterhin, dass Trump keine militärischen Optionen habe, „um das Mullah-Regime wirklich zu etwas zu zwingen“, so Lange. Auf der iranischen Seite hätten die Hardliner das Sagen, die keine Kompromisse eingehen wollen. Somit bleibt die Lage angespannt. Die Verschiebung des Großangriffs ist ein Zeichen dafür, dass die USA zumindest vorübergehend auf einen diplomatischen Kurs einschwenken. Ob dieser Erfolg haben wird, ist ungewiss. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Vermittlungsbemühungen der Golfstaaten Früchte tragen oder ob die USA letztlich doch zu massiven militärischen Mitteln greifen müssen.



