Die Spannungen zwischen der Uefa und der Fifa erreichen einen neuen Höhepunkt. Nur wenige Stunden nachdem die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino zur Privatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft bekannt wurden, sickern erste mögliche Reaktionen des europäischen Fußballverbandes durch. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt die Uefa sogar einen Boykott von Fifa-Wettbewerben – darunter die WM, aber auch die Fifa-Klub-WM. Dies würde bedeuten, dass Europameister wie Deutschland, Weltmeister Spanien, England oder Frankreich nicht an der WM-Endrunde teilnehmen würden.
Hintergrund: Infantinos Privatisierungspläne
Auslöser der Eskalation sind die Vorstöße von Fifa-Präsident Gianni Infantino, der die WM wirtschaftlich öffnen will. Geplant ist, Investoren aus der Wirtschaft Minderheitsanteile an der WM zu verkaufen – ohne Kontrollbefugnisse, wie die Fifa betont. Die Einnahmen sollen laut Fifa erhebliche wirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile für die Mitgliedsverbände bringen. Dennoch stößt der Plan in Europa auf massiven Widerstand. Die Uefa teilte in einem ersten Statement mit: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die Uefa nimmt die Angelegenheit äußerst ernst. Das sollte auch jeder nationale Fußballverband tun. Ebenso alle Beteiligten: Ligen, Vereine, Spieler, Fans, Regierungen und alle, denen die Zukunft des Fußballs am Herzen liegt.“
Boykott-Szenarien und Auswirkungen
Ein Boykott europäischer Nationalmannschaften hätte drastische Folgen für die WM. Beim jüngsten Turnier in den USA, Kanada und Mexiko kamen sechs der acht Viertelfinalisten aus Europa – darunter der spätere Weltmeister Spanien. Ohne die europäischen Top-Nationen verlöre die WM sportlich und wirtschaftlich enorm an Wert. In der Uefa wird laut Bloomberg derzeit diskutiert, wie Vereine und Mitgliedsverbände konkret Fifa-Veranstaltungen boykottieren könnten. Offizielle Stellungnahmen der Uefa oder der Fifa zu den Boykottplänen liegen bislang nicht vor. Die Fifa versucht, das Thema kleinzuhalten, und verweist auf die angeblich positiven Effekte der Privatisierung.
Kritik an Spielerbelastung
Die Debatte fällt in eine Zeit, in der die Belastung der Spieler ohnehin stark kritisiert wird. Europäische Top-Klubs und Stars wie Weltmeister Rodri (30, Manchester City) beklagen eine zunehmende Überlastung und warnen vor steigender Verletzungsgefahr. Eine zusätzliche Kommerzialisierung der WM würde diese Kritik weiter anheizen. Die nächsten Schritte der Uefa bleiben abzuwarten – klar ist jedoch, dass die Beziehung zwischen den beiden Fußballverbänden so angespannt ist wie lange nicht mehr.



