Während die Staats- und Regierungschefs der G7 in Évian-les-Bains zusammenkommen, um über die weitere Unterstützung für die Ukraine zu beraten, setzt das ukrainische Militär seine Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur fort. In den frühen Morgenstunden des Dienstags meldete Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin, dass die russische Flugabwehr rund 60 ukrainische Drohnen über der Hauptstadt abgeschossen habe. Eine Drohne habe jedoch ein Objekt auf dem Gelände einer Moskauer Ölraffinerie getroffen, wie Sobjanin mitteilte. Verletzt worden sei niemand.
Selenskyj bestätigt Angriff auf Raffinerie
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte ein Video, das den Brand in der Raffinerie zeigen soll. Er lobte die Arbeit der Geheimdienste und betonte, dass die Raffinerie rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liege. „Russland muss gezwungen werden, den Krieg gegen unser Volk zu beenden“, sagte Selenskyj, der ebenfalls am G7-Gipfel teilnimmt. Der Angriff könnte als Beleg für die wachsende Reichweite und Schlagkraft der ukrainischen Streitkräfte dienen.
Flugverkehr in Moskau eingeschränkt
Die Drohnenangriffe führten zu erheblichen Beeinträchtigungen des Flugverkehrs in der russischen Hauptstadt. Die Flughäfen Domodedowo und Schukowski stellten ihren Betrieb vorübergehend ein, später stoppten auch die Flughäfen Scheremetjewo und Wnukowo Starts und Landungen. In der Ferienzeit erleben Russen inzwischen fast täglich zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen.
Massive Drohnenangriffe auf russische Ölindustrie
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von insgesamt 172 Drohnen über verschiedenen Regionen. Angaben zu Treffern oder Schäden machte das Ministerium nicht. Die ukrainischen Drohnenangriffe zielten erneut auf für die russische Kriegswirtschaft wichtige Anlagen der Ölindustrie. Im Süden Russlands, in der Region Krasnodar, wurde ein Öllager in der Siedlung Poltawskaja getroffen und geriet in Brand, wie die Behörden mitteilten. In sozialen Netzwerken kursierten zunächst nicht überprüfbare Videoaufnahmen von einer großen Rauchwolke.
Die Ukraine will mit den Angriffen auf die russische Ölindustrie den militärischen Nachschub stören und den Energieexport treffen, der Milliarden in die Kriegskasse des Landes spült. Die Attacken gegen Raffinerien und Treibstofflager haben vielerorts bereits zu Engpässen bei der Versorgung mit Benzin geführt. Insbesondere auf der von Russland besetzten ukrainischen Halbinsel Krim wurde die Lage zuletzt prekär. Der regionale Ölkonzern Tatneft soll laut Interfax inzwischen eine vorübergehende Preisobergrenze für Benzin und Diesel an Tankstellen eingeführt haben.
Ukraine meldet russische Angriffe und Verletzte in Charkiw
Auch die Ukraine meldete ihrerseits russische Angriffe. Der Bürgermeister der Stadt Charkiw, Ihor Terechow, schrieb auf Telegram von Drohnenattacken mit Verletzten. Es soll zudem zu Stromausfällen in vier Regionen der Ukraine gekommen sein. Am Vortag starben in der Hauptstadt Kyjiw mindestens fünf Menschen bei Angriffen. Dabei geriet auch die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand, die Hauptkirche der Petscherska Lawra, des weltberühmten Kyjiwer Höhlenklosters.



