Ukrainischer Politologe: Putin im Bereich der Psychiatrie
Ukrainischer Politologe: Putin im Bereich der Psychiatrie

Der ukrainische Politologe Wolodymyr Fessenko bewertet die mögliche Vergabe einer Produktionslizenz für Patriot-Abwehrraketen an die Ukraine als strategischen Meilenstein. Gleichzeitig zeigt er sich skeptisch hinsichtlich eines baldigen Waffenstillstands: „Putin will unbedingt als Sieger aus dieser Pattsituation rausgehen, in die er sich selbst gebracht hat. Die aktuelle Kriegsphase wird allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Sieger haben.“

Treffen in Ankara übertrifft Erwartungen

Beim Nato-Gipfel in Ankara vergangene Woche trafen die Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump zusammen. Fessenko zufolge war dies das beste Treffen zwischen den beiden bisher. „Es war quasi das Gegenteil des berühmt-berüchtigten Gesprächs im Oval Office Anfang 2025“, so der Politikwissenschaftler. Die ukrainischen Erwartungen an den Gipfel seien übertroffen worden, auch hinsichtlich der Zukunft der Nato, was für die Ukraine strategisch wichtig sei.

Patriot-Produktionslizenz als Zeichen des Vertrauens

Seit Mai nutzt Russland den Mangel an Abwehrraketen für Patriot-Systeme in Kiew aus und beschießt die Hauptstadt verstärkt mit ballistischen Raketen. Allein seit dem 2. Juni kamen in Kiew 53 Zivilisten ums Leben. Fessenko betont: „Aktuell zählt vor allem, dass die Ukraine in der nächsten Zeit wohl mit Lieferungen von Abwehrraketen rechnen kann. Denn der Mangel ist wirklich kritisch.“ Die mögliche Vergabe der Produktionslizenz sei ein starker strategischer Hinweis an Moskau: „Das mit der Besetzung der Ukraine wird für euch auch über die aktuellen Kampfhandlungen hinaus schwierig.“ Es sei zudem ein Zeichen des Vertrauens aus Washington, dass der Ukraine zugetraut werde, schwierige Prozesse schnell umzusetzen.

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Trump zwischen Psychologie und Respekt

Fessenko analysiert Trumps veränderte Haltung zur Ukraine: „Bei Trump befinden wir uns stets im Bereich der Psychologie, wenn nicht der Psychiatrie.“ Er glaubt, dass vor allem die militärischen Erfolge der Ukraine Trumps Respekt gewonnen hätten. „Trump respektiert Stärke.“ Die Enttäuschung über Putin spiele ebenfalls eine Rolle, da Trump Putin ein Angebot gemacht habe, das dieser nicht angenommen habe. „Grundsätzlich passt es nicht zu Trumps Logik, dass Putin einem Stopp dieses sinnlosen Krieges nicht zustimmt.“

Druck auf Russland und Aussichten auf Waffenstillstand

Die Ukraine setzt Russland mit Luftangriffen auf die Ölwirtschaft und logistischen Problemen um die Krim unter Druck. Fessenko erklärt: „Mehr Druck auf Russland auszuüben ist für die Ukraine alternativlos. Nur das kann eine Waffenruhe näherbringen.“ Die wirtschaftlichen Schäden träfen Moskau hart. Dennoch sei er für die nächste Zeit nicht sonderlich optimistisch. „Die Frage ist, ob Putin die Lage um die Krim nicht vielmehr als zusätzliches Argument benutzt, um die Fortsetzung seiner Spezialoperation zu rechtfertigen.“

Putins Realitätsverweigerung

Fessenko sieht auch bei Putin psychologische Faktoren am Werk: „Auch bei Putin befinden wir uns oft im Bereich der Psychiatrie. Das ist vielleicht ein noch größeres Problem als bei Trump.“ Putin wolle unbedingt als Sieger aus der Pattsituation hervorgehen, doch die aktuelle Kriegsphase werde wahrscheinlich keinen Sieger haben. „Wir haben es vielmehr mit einem umkämpften Unentschieden zu tun. Ob und wann Putin diese Realität akzeptiert, kann nur die Zeit zeigen.“

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