Seit dem 26. Juli tagt das Unesco-Welterbekomitee in der südkoreanischen Küstenstadt Busan, um über Neueinträge auf der Liste der Kultur- und Naturerbestätten zu entscheiden. Bis zum 29. Juli werden mehr als 30 Bewerbungen geprüft. Deutschland geht mit der Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins ins Rennen – allerdings nicht als eigenständiger Eintrag, sondern als Erweiterung der bereits bestehenden Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“.
Papageiensiedlung: Architektur und sozialer Wohnungsbau
Die vor rund hundert Jahren erbaute Bauhaus-Siedlung, im Volksmund auch „Papageiensiedlung“ genannt, gilt als wegweisend für den sozialen Wohnungsbau. Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) betont: „Die Siedlungen der Berliner Moderne sind herausragende Objekte der Stadtentwicklung und ein städtebaulicher und kultureller Schatz mit internationaler Strahlkraft.“ Die Waldsiedlung Zehlendorf sei weltweit ein Vorbild für die Umsetzung des sozialen Wohnungsbaus. Seit 2008 gehören bereits sechs Siedlungen der Berliner Moderne zum Welterbe, darunter die Hufeisensiedlung in Neukölln und die Großsiedlung Siemensstadt.
Einzigartige Merkmale der Waldsiedlung
Die Waldsiedlung Zehlendorf ist nicht nur die flächenmäßig größte aller Siedlungen der Berliner Moderne, sondern auch besonders gut erhalten. Ein herausragendes Detail ist die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte – das revolutionäre Konzept, ein Einkaufszentrum direkt an einen Bahnhof anzubinden, war damals weltweit einmalig. Diese Innovation unterstreicht den internationalen Einfluss der Siedlung auf die Stadtentwicklung.
D-Day-Strände: Frankreichs Bewerbung
Zu den weiteren Bewerbungen gehört der Versuch Frankreichs, die D-Day-Landungsstrände in der Normandie als Unesco-Welterbestätte anerkennen zu lassen. Die Nominierung umfasst die fünf historischen Strände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie weitere mit der alliierten Landung verbundene Erinnerungsorte. Am 6. Juni 1944 landeten dort Soldaten der Alliierten, was den Auftakt der Befreiung Europas von der nationalsozialistischen Herrschaft markierte. Zur Streitmacht gehörten vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen. Etwa 3.100 Landungsboote mit mehr als 150.000 Soldaten machten sich auf den Weg, Tausende von ihnen starben.
Gefährdete Welterbestätten und Klimawandel
Ein zentrales Thema der Tagung ist der nachhaltige Erhalt der Welterbestätten. Derzeit gelten 53 Stätten als gefährdet – neben kriegerischen Konflikten zunehmend auch durch die Folgen des Klimawandels, Bauarbeiten und Naturkatastrophen. Deutschland hat 52 Kultur- und drei Naturerbestätten, von denen keine als unmittelbar gefährdet eingestuft ist. Weltweit gibt es 1.248 registrierte Stätten in 170 Ländern, darunter die Pyramiden von Gizeh, das Great Barrier Reef und Machu Picchu.
Entscheidung über Waldsiedlung am 27. Juli
Über den Antrag zur Anerkennung der Waldsiedlung Zehlendorf wird voraussichtlich am 27. Juli entschieden. Die Chancen stehen gut, dass die „Papageiensiedlung“ bald offiziell zum Unesco-Welterbe zählt.



