Die US-Regierung hat den ehemaligen kubanischen Staatschef Raúl Castro angeklagt. Der 94-Jährige soll laut US-Justizminister Todd Blanche in den Abschuss von zwei Flugzeugen durch die kubanische Luftwaffe im Jahr 1996 verwickelt gewesen sein, bei dem auch US-Amerikaner starben. Die Klage wurde bei einem Gericht in Florida eingereicht.
US-Präsident Donald Trump erklärte wenige Stunden später, die USA würden „Kuba befreien“. Er könne nicht sagen, wie es mit dem Inselstaat nun weitergehe. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel reagierte auf der Plattform X und bezeichnete die Klage als „politische Maßnahme, ohne jegliche rechtliche Grundlage“.
Die Anklage gegen den ehemaligen Staatschef dürfte die Sorge vor einem möglichen Militärschlag der USA weiter schüren. Bereits der Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro wurden mit einer Anklage gegen den Autokraten gerechtfertigt. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit der kubanischen Revolution in den Fünfzigerjahren angespannt. Unter Trump verschärften sich die Spannungen durch neue Sanktionen und eine Ölblockade.
Raúl Castro war fast 50 Jahre lang Verteidigungsminister und löste seinen Bruder Fidel Castro an der Staatsspitze ab. In seiner Zeit als Verteidigungsminister schoss die kubanische Luftwaffe 1996 zwei Flugzeuge der Organisation „Hermanos al Rescate“ vor Kubas Küste ab. Drei der vier Todesopfer waren US-Bürger. Die Internationale Organisation für Zivilluftfahrt kam zu dem Schluss, dass sich die Flugzeuge über internationalen Gewässern befanden.
Zeitgleich mit der Bekanntgabe der Klage wurden in Kuba Gedenkveranstaltungen zum 95. Geburtstag von Raúl Castro für den 3. Juni angekündigt. Castro gilt als Schlüsselfigur in der Regierung von Präsident Díaz-Canel und ist im Militär bestens vernetzt. Auf Kuba kontrolliert die Armee einen Großteil der Wirtschaft.



