Die USA planen einem Zeitungsbericht zufolge, die Zahl der Flugzeuge und Kriegsschiffe, die sie für Nato-Einsätze in Europa zur Verfügung stellen, um ein Drittel zu reduzieren. Dies berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf zwei hochrangige europäische Insider. Die Nato und das US-Verteidigungsministerium reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Details zum US-Plan
Der US-Plan sieht dem Bericht zufolge vor, die Zahl der F-16- und F-15E-Kampfflugzeuge von rund 150 auf 100 zu reduzieren. Zudem soll die Zahl der Seeaufklärungsflugzeuge von 26 auf 15 gesenkt werden. Alle acht Luftbetankungsflugzeuge, die Europa bisher zur Verfügung standen, sollen abgezogen werden. Damit würde die Fähigkeit der Nato für Angriffe auf weiter entfernte Ziele und Überwachungsaufgaben eingeschränkt.
Opfer in russischer Grenzregion Brjansk
Bei ukrainischen Angriffen auf die russische Grenzregion Brjansk ist die Zahl der Verletzten nach Angaben der örtlichen Behörden auf zehn gestiegen. Unter den Verletzten sei auch ein fünfjähriger Junge, teilte der amtierende Gouverneur der Region, Jegor Kowaltschuk, auf Telegram mit. Zwei Menschen waren bei dem Angriff ums Leben gekommen. Auch in der Ukraine gibt es Opfer durch russische Drohnenangriffe: In der nordöstlichen Oblast Sumy wurde eine 44-jährige Frau getötet und eine 33-Jährige schwer verletzt, wie der dortige Gouverneur Oleh Hryhorow mitteilte. In der südukrainischen Stadt Mykolajiw wurden den örtlichen Behörden zufolge drei weitere Menschen verletzt.
Luftangriffe: Ukrainer sollen besetzte Gebiete verlassen
Die Ukraine verstärkt ihre Luftangriffe in den von Russland besetzten Teilen des Landes. Vor diesem Hintergrund hat der Militärgouverneur des südostukrainischen Gebietes Saporischschja seine Landsleute im russisch besetzten Teil der Region zur Flucht aufgerufen. Die Risiken für Zivilisten stiegen, sagte Iwan Fedorow in einer Ansprache auf Telegram. Dafür nannte er zwei Gründe: Die ukrainischen Streitkräfte griffen in den Regionen Saporischschja und Cherson gezielt die militärische Infrastruktur der Besatzer und Versorgungswege der russischen Armee an. Die russische Armee setze mehr Kräfte ein, um die eigenen Objekte zu schützen. „Ebendeswegen rufe ich alle dazu auf, die Entscheidung zur Ausreise nicht zu verschieben“, sagte der Gouverneur. Er veröffentlichte Kontakte von Hilfsorganisationen und staatlichen Stellen, die Ukrainern bei der Ausreise aus den besetzten Gebieten helfen können.
Ukraine sieht sich im Drohnenkrieg zunehmend im Vorteil
Die Ukraine gewinnt eigener Einschätzung nach im Krieg gegen Russland beim Einsatz von Drohnen die Oberhand. „Heute können wir mit gutem Grund behaupten, dass die Ukraine im Wettstreit um Technologie, Innovation und Produktionskapazitäten dem Gegner zumindest in nichts nachsteht und ihm in einzelnen Bereichen sogar voraus ist“, sagte Armeechef Olexander Syrskyj gemäß einer Mitteilung bei Telegram. Bei frontnahen ferngesteuerten Drohnen liege das Verhältnis bei 1,5 zu 1 zugunsten der ukrainischen Truppen und verbessere sich weiter. Im Mai seien bereits 12,7 Prozent mehr gegnerische Ziele getroffen worden als im April. Dazu haben ukrainische Drohnenpiloten seit Jahresbeginn Syrskyj zufolge 12.500 mehr russische Soldaten außer Gefecht gesetzt, als Moskau im gleichen Zeitraum anwerben konnte. Der General hob ebenso hervor, dass seine Drohnentruppen im russischen Hinterland bis zu 200 Kilometer hinter der Frontlinie immer effektiver und massenhafter Drohnen einsetzen. Die Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Moskau wirft Berlin, Paris und London „destruktive Politik“ vor
Der stellvertretende russische Außenminister Michail Galusin hat den Botschaftern Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens eine „destruktive Politik“ im Ukraine-Krieg vorgeworfen. Galusin empfing die drei Diplomaten am Donnerstag in Moskau, wie das russische Außenministerium mitteilte. Die Regierungen in Berlin, Paris und London ermutigten die Kiewer Führung, den Krieg gegen Russland mit direkter Unterstützung einer westlichen Koalition fortzusetzen. Der französische Botschafter Nicolas de Riviere sprach nach dem Treffen vor Journalisten jedoch von einem „guten Gespräch“. Eine Erklärung der drei westlichen Staaten (E3) wurde für einen späteren Zeitpunkt angekündigt.
Ukraine gehört „in längerer Perspektive“ in die EU
Die Ukraine gehört „in der längeren Perspektive zur EU“, sagt Kanzler Friedrich Merz in einer Regierungserklärung im Bundestag. Die Ukraine habe bemerkenswerte Reformfortschritte geschafft, weshalb er eine assoziierte Mitgliedschaft vorgeschlagen habe. Das würde eine reguläre Teilnahme der Ukraine an den EU-Spitzentreffen ermöglichen. „Ein ukrainischer Kommissar, noch ohne Portfolio und Stimmrecht, wäre Kiews Gesicht in Brüssel“, sagt Merz. Er schlage zudem vor, dass ukrainische Abgeordnete ohne Stimmrecht an den Beratungen des Europäischen Parlaments teilnehmen könnten. Der Kanzler betont, dass eine Vollmitgliedschaft strikt von der Erfüllung der Aufnahmebedingungen abhänge. Man werde die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland so lange unterstützen, wie nötig.
Atomkraftwerk Saporischschja erneut ohne Strom
Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ist erneut von der äußeren Stromversorgung abgeschnitten. Die zur Anlage führende Hochspannungsleitung sei am Abend automatisch abgeschaltet worden, teilte die Kraftwerksleitung mit. Die als Reserve bereitstehenden Dieselgeneratoren hätten die Stromversorgung übernommen. Erhöhte Radioaktivität sei nicht ausgetreten. „Die Nacht verlief in Enerhodar und dem Umkreis des Atomkraftwerks Saporischschja relativ ruhig“, sagte die von Moskau eingesetzte Kommunikationsleiterin des AKW, Jewgenija Jaschina, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Es habe nur vereinzelt Drohnenbeschuss gegeben. Allerdings sei die gesamte Stadt ohne Stromversorgung.
Weitere Entwicklungen
Die südrussische Region Krasnodar ist örtlichen Behörden zufolge Ziel eines Drohnenangriffs geworden. Die Behörden teilten mit, dass infolge des Angriffs in der Afipsky-Raffinerie ein Feuer ausgebrochen ist. Zudem sei in der Gegend um Afipsky eine Gaspipeline beschädigt worden. Bundesaußenminister Johann Wadephul geht davon aus, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine bald aufgenommen werden können. „Ich denke, dass wir jetzt in der Schlussphase der Verhandlungen sind, dass die Cluster eröffnet werden können“, sagt Wadephul bei einer Pressekonferenz mit der ungarischen Außenministerin Anita Orban in Berlin. Dies sei nach der Einigung Ungarns mit der Ukraine über den Schutz von Minderheiten möglich geworden. Orban kündigt ein baldiges Treffen von Ungarns neuem Ministerpräsidenten Peter Magyar und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an.
Bulgarien will keine Waffen mehr an die Ukraine liefern und fordert Verhandlungen zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau. Das kündigt der neue Verteidigungsminister Dimitar Stojanow an, wie die Nachrichtenagentur BTA berichtet. „Es ist nicht geplant, dass die bulgarische Seite der ukrainischen Armee weitere Waffen liefert“, sagt er. Es sei an der Zeit, einen gerechten Frieden zu suchen, der von beiden Kriegsparteien bestimmt werde. Die EU will mit einem neuen Sanktionspaket den russischen Finanzsektor ins Visier nehmen. Der Vorschlag für das mittlerweile 21. Sanktionspaket sieht unter anderem Strafmaßnahmen gegen fast 90 Banken sowie Krypto-Netzwerke vor, wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas am Dienstag sagte. Zudem sollen die Drohnenproduktion, Ölhändler und Raffinerien ins Visier genommen werden. Insgesamt stünden rund 170 Personen und Organisationen auf der neuen Sanktionsliste.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk fordert eine Teilnahme seines Landes an allen Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Kriegs. „Alle Vereinbarungen, an denen Polen nicht beteiligt ist, sind für Polen nicht bindend“, sagte Tusk am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Er sei sehr zurückhaltend gegenüber Ideen aus Westeuropa, so schnell wie möglich einen Dialog mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Ukraine zu beginnen. Wirtschaftsforscher schlagen einen Strafzoll auf den verbliebenen Handel zwischen der EU und Russland vor. Mit den Einnahmen daraus solle die Ukraine unterstützt und der Druck auf die Regierung in Moskau erhöht werden, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Dienstag mitteilte. Ein solcher „Ukraine-Unterstützungszoll“ könne jährlich zwischen elf und 16 Milliarden Euro einbringen.
Russland und Belarus sind zur Gewährleistung ihrer Sicherheit nach russischen Angaben jederzeit bereit, alle verfügbaren Mittel einschließlich Atomwaffen einzusetzen. Dies sagt der russische Vize-Außenminister Michail Galusin der Zeitung „Iswestija“. Russland unterhalte eine militärische Präsenz in Belarus und beide Länder nähmen regelmäßig gemeinsame Bereitschaftsprüfungen vor, erklärt er weiter. Man bleibe in ständiger Bereitschaft, um die Sicherheit des aus beiden Ländern bestehenden Unionsstaates zu gewährleisten.



