USA mit großen Ambitionen vor Heim-WM
Mauricio Pochettino, der Trainer der US-amerikanischen Fußballnationalmannschaft, hat einen bemerkenswerten Moment erlebt, der an Julian Nagelsmann erinnert. Im März fragte er: „Warum nicht wir? Warum nicht wir? Warum nicht wir? Wir müssen wirklich daran glauben, dass wir da sein können. Wir müssen träumen.“ Mit diesen Worten sprach Pochettino über die Möglichkeit, bei der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft das Finale zu erreichen und sogar den Titel zu gewinnen. Obwohl die USA als Co-Gastgeber noch nicht zu den absoluten Favoriten zählen, teilt der Argentinier die Philosophie von Bundestrainer Nagelsmann: Wer an einem Turnier teilnimmt, muss auch den Sieg anstreben und daran glauben.
Schwierige Vorbereitung: Acht Niederlagen in Serie gegen Europa
Vor dem direkten Duell mit Deutschland am Samstag in Chicago (20.30 Uhr MESZ, RTL) – dem letzten Test vor dem WM-Auftakt für beide Teams – haben die USA jedoch wenig getan, um ihren Traum mit guten Ergebnissen zu untermauern. Kurz nach Pochettinos Rede gab es im Frühjahr eine 2:5-Niederlage gegen Belgien und ein 0:2 gegen Portugal. Diese beiden Pleiten waren die Niederlagen Nummer sieben und acht in Folge gegen europäische Mannschaften. „Das war vielleicht ein kleiner Weckruf. Aber wir kommen am Ende schon dahin“, sagte der ehemalige Kapitän Tyler Adams nach den beiden Enttäuschungen. Er musste jedoch zugeben: „Es ist schon eine Weile her, seit wir einen der großen Jungs umgehauen haben.“ Tatsächlich standen die USA seit 2002 nicht mehr in einem WM-Viertelfinale.
Hohe Erwartungen an die talentierte Generation
Trotz dieser Statistik wäre alles andere als mindestens das Viertelfinale eine Enttäuschung für die US-Boys um ihre Stars Christian Pulisic (AC Mailand), Weston McKennie (Juventus Turin), Tyler Adams (AFC Bournemouth) und Sergiño Dest (PSV Eindhoven). Keine Generation von US-Fußballern war je so gut ausgebildet und spielte bei so renommierten Clubs. Das einzige WM-Halbfinale erreichten die USA bei ihrem Debüt 1930, und das letzte Viertelfinale datiert aus dem Jahr 2002. In den Jahren 2010, 2014 und 2022 war jeweils im Achtelfinale Schluss, 2006 in Deutschland scheiterte das Team bereits in der Gruppenphase, und 2018 verpasste es die Qualifikation komplett.
Pulisic: „Entspannter und vorbereiteter auf große Momente“
Seit dem 1:3 im Achtelfinale 2022 in Katar gegen die Niederlande habe sich die Mannschaft weiterentwickelt und dazugelernt, sagte Pulisic. „Die meisten Jungs gehen in diese WM, ja, etwas entspannter, vorbereiteter auf die großen Momente“, erklärte der Profi der AC Mailand. „Jedes Spiel, jeder große Moment fühlt sich etwas einfacher an und du fühlst dich davor etwas wohler.“ In der Gruppe D treffen die USA zunächst auf Paraguay, weitere Gegner sind Australien und die Türkei.
Torflaute beendet: Pulisic trifft wieder
Immerhin: Vor dem Duell mit Deutschland im Soldier Field gab es einen 3:2-Sieg gegen Senegal. Die beiden Treffer von Ex-Bayern-Star Sadio Mané zum Ausgleich hinderten die Gastgeber in Charlotte nicht daran, sich ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis zu sichern. Besonders wichtig war, dass die Torflaute von Christian Pulisic endete. Acht Spiele lang, seit November 2024, hatte er nicht mehr für die USA getroffen. Auch in Italien lief es nach einem starken Saisonstart nicht mehr rund. Nach zehn Toren in 15 Spielen erzielte er in den folgenden 19 Partien ab dem 28. Dezember keinen einzigen Treffer mehr für Milan. Dass der 27-jährige US-Anführer gegen Senegal das 2:0 erzielte, sorgte bei ihm und Trainer Pochettino für Erleichterung. „Ich freue mich für ihn, dass er nach so langer Zeit, einigen Monaten, wieder getroffen hat. Das ist ganz offensichtlich wichtig für unsere Spieler in der Vorbereitung auf die WM“, so Pochettino.
Fragezeichen hinter Richards und Pochettinos Zukunft
Wichtig wäre auch ein fitter Chris Richards. Der Verteidiger von Crystal Palace hat sich am 17. Mai die Außenbänder im Knöchel gerissen, seither ist seine WM-Fitness fraglicher als die des an der Wade verletzten Ex-Bayern-Kollegen Manuel Neuer. Gegen Senegal reiste Richards gar nicht erst mit an den Spielort. Ob der wichtigste Abwehrspieler der USA gegen Deutschland auflaufen kann, war bis zuletzt unklar. Ein Fragezeichen steht auch hinter der Zukunft von Trainer Mauricio Pochettino. Geholt wurde er 2024 nach dem frühen Aus bei der Copa América als Nachfolger von Gregg Berhalter als Projekt-Trainer für die Heim-WM. Seither wurde er mit einer Rückkehr zu den Tottenham Hotspur und einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht, Gespräche mit der AC Mailand bestätigte er zuletzt indirekt selbst. Allerdings zeigte sich der Argentinier auch offen für eine Verlängerung seines Vertrages über die WM hinaus. Das Abschneiden in den kommenden Wochen dürfte ein entscheidender Faktor sein.



