Ein Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (49, CDU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (46, CDU) in der „Welt“ hat für Aufsehen gesorgt. Die beiden Politiker forderten darin mehr deutsche Musik im Radio. Doch der eigentliche Skandal ist nicht die Forderung, sondern die Entstehung des Textes: Er wurde mit Hilfe Künstlicher Intelligenz verfasst.
KI-Verdacht bestätigt
Vielen Lesern waren die ungewöhnlich glatten Formulierungen aufgefallen. Sätze wie „Diese Kontinuität ist keine Nostalgie. Sie ist Argument.“ oder „Nicht laut. Nicht schrill. Aber klar.“ lösten im Netz Spott und Verwunderung aus. Nun bestätigte eine Sprecherin der Thüringer Staatskanzlei der „Magdeburger Volksstimme“, dass der Beitrag tatsächlich mit KI-Unterstützung erstellt wurde. Man nutze in der Regierungsarbeit „moderne digitale Werkzeuge, darunter KI-Anwendungen“. Dies sei ein normaler, „zeitgemäßer Einsatz“. Inhaltlich stamme der Text aber von den beiden Politikern.
Forderung nach mehr deutscher Musik
In dem Gastbeitrag kritisieren Voigt und Schulze den geringen Anteil deutschsprachiger Musik im Radio. Dieser liege nur noch bei rund drei Prozent, früher seien es etwa zehn Prozent gewesen. Musik sei „Sprache, Identität, kulturelles Selbstverständnis“. Als Vorbilder nennen sie Länder wie Kanada oder Frankreich. Die Autoren ziehen eine Linie von Bach und Händel zu heutigen deutschsprachigen Künstlern: „Kulturelle Stärke entsteht, wenn Herkunft und Gegenwart zusammenkommen. Von Clueso aus Erfurt bis Tokio Hotel aus Magdeburg.“ Ziel sei keine staatliche Quote, sondern mehr freiwillige Selbstverpflichtung der Sender.
Brisanter Hintergrund
Die Staatskanzleien verteidigen den Beitrag als „abgestimmt“ zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt. Verantwortlich sei jedoch die Thüringer Seite – und damit Voigt. Der CDU-Politiker steht bereits wegen eines anderen Beitrags unter Druck: Die TU Chemnitz hat nach einer Plagiatsprüfung entschieden, dass Voigt seinen Doktortitel nicht mehr führen darf. Dagegen kündigte Voigt juristische Schritte an. Der Einsatz von KI in diesem Gastbeitrag dürfte die Diskussion um seine Glaubwürdigkeit weiter anheizen.



