Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU) hat die jüngsten Äußerungen des türkischen Außenministers Hakan Fidan (57) als „vollkommen unangemessen“ verurteilt. Fidan hatte Israel kurz vor dem NATO-Gipfel, der am Dienstag und Mittwoch in Ankara stattfindet, als „gemeinsames Problem der Menschheit“ bezeichnet und gesagt: „Diese Menschen sind zu einer Last geworden, die die Menschheit nicht länger tragen kann.“ Wadephul betonte gegenüber BILD: „Israel ist einer anhaltenden Bedrohung aus der Region ausgesetzt und hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung zu schützen.“
Antisemitischer Ausfall sorgt für Empörung
Die Worte Fidans werden als klarer Fall von Antisemitismus gewertet und erinnern an das Standard-Repertoire der schlimmsten Judenhasser der Menschheitsgeschichte. Israels Außenminister Gideon Sa’ar (59) bezeichnete die Aussage als „einen Aufruf zum Völkermord“. Der türkische Außenminister äußerte sich in einem Interview mit dem TV-Sender CNN Türk, ausgelöst durch die israelische Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich ab 1915 – ein Verbrechen, das die Türkei bis heute leugnet.
Wadephul reist nach Israel
Wadephul kündigte eine kurzfristige Israel-Reise an: „Ich werde am Dienstagmorgen noch vor dem NATO-Gipfel nach Israel reisen und mich zu aktuellen Fragen des Nahen und Mittleren Ostens mit meinem Kollegen Sa’ar austauschen.“ Trotz der Hetze aus Ankara glaubt Wadephul an eine mögliche Reparatur der Beziehungen zwischen der Türkei und Israel. Es gehe darum, „einen Beitrag zur Verständigung zwischen Israel und der Türkei zu leisten“, so Wadephul. Die Konflikte der Region könne man nur mit einem „beiderseitigen Grundkonsens“ lösen.
Grüne und SPD fordern klare Haltung
Zuvor hatten die Grünen von der Bundesregierung eine Verurteilung der antisemitischen Äußerungen gefordert. Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger (41) sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“: „Bei solchen Aussagen muss eine Bundesregierung klare Haltung zeigen.“ Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Töns (62) forderte die Bundesregierung auf, „unmissverständlich Stellung zu beziehen“. Doch die Bundesregierung hielt sich zunächst bedeckt, offenbar aus Sorge, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (72) vor dem NATO-Gipfel zu verärgern.
Experte kritisiert Zurückhaltung der Bundesregierung
Der Türkei-Experte Eren Güvercin, der für die FDP bei der Berlin-Wahl im September kandidiert, sagte zu BILD: „Aus Berlin oder der EU gab es praktisch keine Reaktionen, weil man Erdoğan aufgrund der migrations- und sicherheitspolitischen Abhängigkeiten nicht vor den Kopf stoßen möchte.“ Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 habe es zahlreiche ähnliche Aussagen gegen Israel aus Ankara gegeben, ohne angemessene Reaktionen aus Deutschland oder der EU.



