Die Feierlichkeiten zum 250. Unabhängigkeitstag der USA in Washington wurden für Zehntausende Gäste zur Geduldsprobe. Bei fast 40 Grad Celsius, massiven Sicherheitssperren und einem schweren Unwetter mit Böen bis zu 120 km/h stand die „Salute to America“-Show von Präsident Donald Trump kurz vor der Absage. Letztlich sprach Trump nach Mitternacht vor erschöpften Besuchern – und feuerte ein gigantisches Feuerwerk ab.
Hitze, Unwetter und Sicherheitschaos trüben die Feierstimmung
Bereits am Nachmittag eskalierte die Lage. Wegen einer Hitzewarnung blieb der Bereich um das Washington Monument lange geschlossen. An den wenigen Eingangskontrollen bildeten sich Schlangen über mehrere Häuserblocks. Die Temperatur kletterte auf fast 40 Grad Celsius. Menschen in Rot, Weiß und Blau standen in der Sonne, schweißnass, erschöpft und wütend. Die Sicherheitsregeln verschärften die Situation: Keine Kühlboxen, kein Essen, kein Wasser, keine Campingstühle, keine größeren Taschen. Was sonst ein lockeres Picknick auf der „National Mall“ ist, wurde zur Hochsicherheitszone.
Korrespondent Dirk Hautkapp berichtet: „Für etliche Stunden sah es so aus, als werde Donald Trump am 250. Geburtstag der USA von einer höheren Macht ausgeknockt – vom launischen Wettergott.“ Zudem zogen am Morgen Hunderte maskierte Männer der rassistischen „Patriot Front“ mit Trommeln und Konföderiertenfahnen durchs Regierungsviertel und riefen: „Holt Amerika zurück!“ Niemand hielt sie auf.
Räumung und Frust bei angereisten Gästen
Gegen 19 Uhr ordneten Park Police und andere Behörden die Räumung der Mall an. Der Wetterdienst warnte vor schweren Stürmen. Tausende sollten Schutz in Museen und Bundesgebäuden suchen – doch viele waren verschlossen. Wer stundenlang gewartet hatte, wollte nicht gehen. Polizisten pfiffen, schrien, winkten. Die Anweisungen widersprachen einander. Marcus Demario, mit Frau und Teenager-Sohn aus Texas angereist, sagte empört: „Wir sind den ganzen Weg hierher gekommen, haben uns ein teures Hotel gebucht – und jetzt kommen wir nicht rein. Das Ganze ist nicht wirklich gut organisiert.“
Trump aber wollte nicht aufstecken. Kurz nach 21 Uhr schrieb er, die Veranstaltung werde stattfinden, selbst wenn er um 2 Uhr morgens reden müsse. Um 21.30 Uhr teilte die trumpnahe Organisatorengruppe „Freedom 250“ mit, die Eingangsschleusen würden wieder geöffnet, Trump werde ab 23 Uhr sprechen. Viele stellten sich im Regen erneut an – Hunderte Regenschirme wurden beschlagnahmt.
Trumps Rede: Pathos, Eigenlob und Angriffe
Als Trump gegen 23.15 Uhr die Bühne betrat, hielt er eine Rede aus seinem Standardbaukasten: Gründerväter, Schlachten, Fahnen, Kriegshelden, Astronauten, Pathos, Eigenlob und Feindmarkierung. „Seit 250 Jahren sind die Vereinigten Staaten die Hoffnung, das Versprechen, das Licht und der Ruhm unter allen Nationen der Welt; auf der ganzen Welt. Niemand kann so sein wie wir“, sagte Trump. Er zeigte historische Flaggen, holte Veteranen – der älteste 107 Jahre – sowie Familien gefallener Soldaten und Astronauten der „Artemis II“-Mission auf die Bühne.
Doch dann brach der alte Trump durch: Er scherzte über seine „dritte Amtszeit“, warb für ein Wahlgesetz, das das Wählen massiv erschweren würde, und schimpfte gegen Links-Progressive, die er „Kommunisten“ nannte. „Wir wollen keine Kommunisten in unserem Land. Es hat nie funktioniert und wird auch nie funktionieren“, sagte er. Selbst beim Lob der Grundrechte konnte er nicht widerstehen: In Amerika gebe es Gleichheit vor dem Gesetz, „auch wenn ich selbst nicht so gut behandelt wurde, aber darauf wollen wir nicht näher eingehen“. Nach nur 35 Minuten – für Trump-Verhältnisse fast asketisch – beendete er mit den Worten: „Unser Land steht erst am Anfang, denn das Beste kommt erst noch. Dies ist erst der Beginn dieses goldenen Zeitalters Amerikas.“
Gigantisches Feuerwerk als Höhepunkt
Kurz vor Mitternacht begann das Feuerwerk von „wirklich gigantischer Wucht“, wie Hautkapp schreibt. Mehr als 850.000 Feuerwerkskörper wurden gezündet – rund 21.200 pro Minute. Am Washington Monument bebte der Boden. Gold, Gelb, Rot, Weiß und Blau füllten den Himmel. Lärm und Rauch fraßen sich für 40 Minuten in die Nacht. Trump sah aus klimatisierter Loge zu. Zehntausende standen müde und durchgeweicht im feuchten Gras. Sie hatten den 250. Geburtstag der USA gefeiert – und überstanden.



