Bei Markus Lanz drehte sich die erste Talkrunde zur Fußball-WM nicht nur um Tore und Fouls, sondern auch um ungewöhnliche Begriffe wie Bromance und Fantastilliarden. Überraschend milde fiel das sonst übliche Trump-Bashing aus, als es um den Fifa-Friedenspreis für den US-Präsidenten ging.
Trump und die Show: Eine Analyse von Annett Meiritz
Die langjährige „Handelsblatt“-US-Korrespondentin Annett Meiritz (44) erklärte: „Man muss verstehen, wo Trump herkommt und was seine Fans von ihm wollen. Gold finden sie super. Sie finden ihn nicht peinlich, wenn er da steht mit seiner Medaille. Er kann auch die Flagge umarmen und seltsam zu YMCA tanzen. Seine Fans finden das authentisch, weil Donald Trump glaubhaft machen kann, dass das nicht nur eine Inszenierung ist, sondern dass er sich wirklich für den Sport interessiert.“
Ein Foto von Trump mit Fifa-Chef Gianni Infantino (56) kommentierte sie als „Bromance, also die Romance zwischen zwei Brothers – eigentlich die Bromance nicht nur des Jahres.“ Lanz fragte daraufhin nach Trumps neuem Ballsaal im Weißen Haus: „Alles mit viel Gold und Lametta. Hilft ihm diese Gigantomanie?“ Meiritz antwortete: „Donald Trump wusste schon immer Gigantomanie und Show für sich zu nutzen.“
Der perfekte Sturm: Trump inszeniert sich mit Sport
Sie kündigte an: „Wir haben in den nächsten vier Wochen den perfekten Sturm, fast jede Woche riesige Veranstaltungen, auch eine große Trump-Rallye, eine Massenkundgebung im Herzen von Washington. Alles zeitgleich, auch die Mixed-Martial-Arts-Kämpfe, da ist er ein großer Fan, inszeniert vor dem Weißen Haus. Er weiß, dass Sport einer der wenigen Orte in Amerika ist, wo es noch nicht so polarisiert. Für seine Fans ist es das Größte, wenn sie ihn da aufmarschieren sehen.“
Und dass Trump in New York beim Basketball ausgepfiffen wurde? „Das ärgert ihn nicht“, so Meiritz. „Donald Trump braucht das. Er braucht den Streit. Er braucht den Widerstand. Und wenn ihm das nicht gefällt, dann deutet er es einfach um. Er wurde gefragt, wie fanden Sie das, als er ausgebuht wurde, und da hat er gesagt: Wieso, da war doch gar kein Buhruf, die waren doch alle glücklich.“
Fifa-Umsätze wie aus Donald-Duck-Comics
SZ-Sportjournalist Thomas Kistner (68) staunte über die neuen Rekord-Umsätze der Fifa: „Da sind eigentlich nur noch Zahlen im Raum, die man so aus einem Donald-Duck-Comic kennt, also Fantastilliarden.“ Lanz fasste zusammen: „Da gibt es jemanden, der fast so wirkt wie eine Comic-Figur, der sich auch so inszeniert, und da ist ganz viel Lametta, aber das ist Show. Seine Leute in den Südstaaten sagen: Er hat geliefert. Er hat das Chaos an der Grenze in den Griff gekriegt. Und die Wirtschaft hat ein so robustes Wachstum, dass ich sagen würde: Wenn wir nur im Ansatz bei diesen Zahlen wären, zwischen drei und vier Prozent, dann würden wir in Berlin aus dem Jubeln gar nicht mehr herauskommen.“



