98-jähriger Zeitzeuge prophezeit Rechtsruck in Frankreich
Zeitzeuge sagt Rechtsruck in Frankreich voraus

Ein Jahrhundertzeuge blickt auf Frankreichs Zukunft

Der 98-jährige George-Arthur Goldschmidt, ein Überlebender des Holocaust und scharfer Beobachter der französischen Politik, hat in einem bewegenden Interview seine Gedanken zur Zukunft Frankreichs geteilt. Der in Hamburg geborene Schriftsteller und Übersetzer, der seit Jahrzehnten in Paris lebt, erklärte, dass er keinen neuen Herzschrittmacher mehr einsetzen lassen werde. „In einem Jahr bin ich tot“, sagte er mit entwaffnender Offenheit. Doch trotz seines nahenden Endes beschäftigt ihn die politische Entwicklung seines Wahlheimatlandes intensiv.

Prognose: Ein Rechtskonservativer wird Macron beerben

Goldschmidt prophezeit, dass der amtierende Präsident Emmanuel Macron von einem Rechtskonservativen abgelöst wird. Allerdings, so betont er, werde dieser nicht Jordan Bardella heißen, der Vorsitzende des Rassemblement National. Stattdessen deutet er auf eine andere Figur hin, die seiner Meinung nach das Potenzial habe, die französische Politik zu dominieren. „Er wird massenhaft Ausländer abschieben. Die Franzosen möchten so eine Regierung“, sagte Goldschmidt und untermauerte damit seine düstere Vision.

Ein Leben zwischen den Kulturen

George-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Deutschland geboren und floh 1938 vor den Nationalsozialisten nach Frankreich. Er überlebte den Krieg in Verstecken und wurde nach 1945 zu einem bedeutenden Intellektuellen. Seine Werke, darunter autobiografische Schriften und Übersetzungen, zeugen von einer tiefen Verbundenheit mit beiden Ländern. In seinem Pariser Wohnzimmer, umgeben von Büchern und Erinnerungen, spricht er mit einer Klarheit, die nur ein langes Leben voller Höhen und Tiefen verleihen kann.

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Die politische Landschaft Frankreichs

Goldschmidts Einschätzung kommt zu einer Zeit, in der Frankreich vor einer ungewissen politischen Zukunft steht. Macron, der 2017 mit einem zentristischen Versprechen antrat, hat im Laufe seiner Amtszeit an Popularität eingebüßt. Die Rechtspopulisten um Marine Le Pen und Jordan Bardella gewinnen an Zulauf, doch Goldschmidt sieht eine andere Entwicklung: Er glaubt, dass ein gemäßigter Rechter die Oberhand gewinnen könnte, der die Sehnsucht vieler Franzosen nach Ordnung und nationaler Identität bedient.

Ein letzter Appell

Trotz seiner pessimistischen Prognose bleibt Goldschmidt ein Verfechter der Menschlichkeit und der Erinnerungskultur. Sein Verzicht auf den Herzschrittmacher ist kein Zeichen der Resignation, sondern eine bewusste Entscheidung, sein Leben in Würde zu beenden. Seine Worte sind ein Vermächtnis, das mahnt, die Demokratie nicht als selbstverständlich zu betrachten. „Die Geschichte lehrt uns, dass wir wachsam sein müssen“, so Goldschmidt abschließend.

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