Rund 21 Stunden war der Attentäter auf der Flucht, dann erschoss ihn die Polizei: Am Samstagabend ist Abdul Ballout laut Ermittlungen mit einem weißen Van im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren, die den Christopher Street Day (CSD) feierte. 31 Menschen wurden verletzt, eine 65-jährige Mutter aus Polen starb noch am Unfallort. Der Anschlag löste bundesweit Bestürzung und Trauer aus.
Der Anschlag im Tiergarten
Nach Angaben der Berliner Polizei steuerte Ballout den Lieferwagen gezielt in die dicht gedrängte Menge auf der Straße des 17. Juni. Die Ermittler gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte, der Täter habe einer salafistischen Gruppe angehört. Die Fahndung nach dem flüchtigen Attentäter dauerte fast einen Tag, ehe Spezialkräfte ihn in einem Versteck in Neukölln aufspürten und bei einem Zugriff erschossen.
Forderungen der Polizeigewerkschaft
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat nun in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) konkrete gesetzliche Konsequenzen gefordert. „Wir brauchen eine sofortige Reform des Staatsangehörigkeitsrechts und eine Verschärfung des Asylrechts, um solche Taten künftig zu verhindern“, heißt es in dem Schreiben, das der Funke Mediengruppe vorliegt. Die Gewerkschaft verweist auf anhaltende Herausforderungen für die innere Sicherheit und fordert unter anderem die Möglichkeit, Gefährder leichter auszuweisen und ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Politische Reaktionen und Gedenken
Bundesweit gedachten zahlreiche Menschen der Opfer des Anschlags. In Saarbrücken fand am Mittwoch eine Gedenkveranstaltung statt. In Berlin zog der Veranstalter des „Zug der Liebe“ Konsequenzen und sagte die für das Wochenende geplante Parade ab. „Wir können die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantieren“, hieß es zur Begründung. Derweil kündigte die Berliner Senatsverwaltung eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen an.
Der offene Brief der Polizeigewerkschaft stieß in Teilen der Politik auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. Während die Unionsfraktion die Forderungen unterstützt, warnen Vertreter von SPD und Grünen vor pauschalen Verschärfungen. „Wir dürfen nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen“, erklärte ein Sprecher der Grünen. Die Debatte um die innere Sicherheit dürfte die kommenden Wochen bestimmen.
Die Ermittlungen zu dem Anschlag laufen indes auf Hochtouren. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Es wird geprüft, ob Ballout Kontakte zu terroristischen Netzwerken hatte.



