Bärbel Bas bei Miosga: Spagat zwischen Revolution und Reformstau
Bärbel Bas bei Miosga: Spagat zwischen Revolution und Reformstau

Bärbel Bas bei Caren Miosga: Eine Frau zwischen Revolution und Reformstau

Die SPD steckt in der Krise, und Parteichefin Bärbel Bas sucht nach dem Gaspedal. In der ARD-Talkshow von Caren Miosga gab sie am Sonntagabend die Klassenkämpferin aus dem Ruhrpott – doch bei den drängenden Reformdiskussionen in der Hauptstadt verließ sie sich vor allem aufs Prinzip Hoffnung. Eine Fernsehkritik.

Bas, die als Co-Vorsitzende der SPD agiert, versuchte, mit kämpferischen Tönen zu punkten. „Wir müssen wieder vor die Werkstore“, forderte sie und beschwor das Bild einer Partei, die sich auf ihre Wurzeln besinnen müsse. Doch die konkreten Antworten auf die Fragen von Miosga blieben oft vage. Die Moderatorin hakte nach, wo die SPD in der Migrationspolitik, der Wirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit stehe.

Besonders deutlich wurde der Zwiespalt der SPD-Chefin beim Thema Reformstau. Bas beklagte die Blockaden im Bundestag, doch auf die Frage, wie sie diese durchbrechen wolle, verwies sie auf Koalitionsverhandlungen und Kompromisse. „Wir müssen geduldig sein“, sagte sie, was bei vielen Zuschauern auf Unverständnis stieß. Die Kritik: Bas wirke zu zögerlich, zu sehr auf Ausgleich bedacht, statt klare Kante zu zeigen.

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Dabei ist die Lage der SPD prekär. In Umfragen liegt die Partei nur noch bei rund 15 Prozent, weit hinter der Union und der AfD. Die Basis fordert eine klarere linke Profilierung, während die Führung um Kanzler Olaf Scholz auf Realpolitik setzt. Bas versuchte, diesen Spagat zu meistern: Sie sprach von einem „sozialen Kompass“ und der Notwendigkeit, die „arbeitende Mitte“ zu stärken, ohne jedoch konkrete Steuererhöhungen oder Umverteilungsmaßnahmen zu nennen.

Ein weiterer Punkt war die Digitalisierung und der Bürokratieabbau. Bas forderte „mutige Schritte“, doch als Miosga nachhakte, welche Gesetze sie denn konkret ändern wolle, blieb sie allgemein. „Wir brauchen eine Offensive für die Wirtschaft, aber auch für den Klimaschutz“, sagte sie – eine Formel, die in der aktuellen Koalition längst zum Standardrepertoire gehört.

Die Reaktionen im Netz waren gemischt. Während einige Nutzer der SPD-Chefin attestierten, sie habe „endlich wieder kämpferisch“ gewirkt, kritisierten andere die fehlende Substanz. „Viel heiße Luft, wenig Inhalt“, lautete ein typischer Kommentar. Auch die Gäste im Studio, darunter der Journalist Stefan Aust und die Unternehmerin Verena Pausder, zeigten sich skeptisch. Aust warf Bas vor, die „Realität zu beschönigen“, und Pausder forderte mehr Mut zu Reformen.

Am Ende blieb der Eindruck einer Politikerin, die zwischen den Fronten steht: Sie will die Partei einen, die Basis begeistern und gleichzeitig regierungsfähig bleiben. Ob ihr das gelingt, ist fraglich. Die nächsten Landtagswahlen werden zeigen, ob die SPD mit diesem Kurs wieder Boden gutmachen kann. Bis dahin wird Bärbel Bas weiter auf das Prinzip Hoffnung setzen müssen – oder doch noch die Revolution wagen.

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