Ein Vorschlag aus der CDU zur Finanzierung der Pflegeversicherung stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. Laut dem aktuellen Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa sprechen sich 73 Prozent der Befragten gegen die Idee aus, Vermögen von Pflegebedürftigen zur Deckung der Pflegekosten heranzuziehen. Die Ablehnung zieht sich einhellig durch alle Einkommensgruppen sowie durch Ost- und Westdeutschland.
Heftige Kritik am CDU-Vorstoß
Unionsfraktionsvize Albert Stegemann hatte gefordert, dass Pflegebedürftige zunächst ihr eigenes Vermögen, einschließlich des Eigenheims, einsetzen sollten, bevor die Allgemeinheit einspringt. „Ein Erbenschutzprogramm auf Kosten der Allgemeinheit kann es nicht geben“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Wer mit einer Pflegezusatzversicherung oder Wohneigentum vorsorge, übernehme Verantwortung für den Pflegefall. Doch dieser Vorschlag erntete nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch von Politikern und Verbänden scharfe Kritik.
SPD-Generalsekretär: „Falscher Fokus“
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf äußerte sich im ntv-Frühstart ablehnend: „Diese Mittel und Wege, dann immer wieder an die privaten Ersparnisse heranzugehen, auch in einem niedrigen Bereich schon, das ist etwas, was wir ablehnen und wo wir glauben, dass es da bessere Lösungen gibt.“ Er betonte, dass eine normale Familie, die ihr Leben lang gearbeitet, Steuern gezahlt und sich ein abbezahltes Eigenheim erarbeitet habe, der falsche Fokus sei. Klüssendorf wies darauf hin, dass es in der Gesellschaft ganz andere Vermögenswerte gebe, die derzeit nicht herangezogen würden. „Bei der Debatte dann über das Eigenheim nachzudenken, aber zum Beispiel bei der Erbschaftssteuer sich kategorisch allem zu verweigern, was einer gerechteren Besteuerung zuträglich ist, das verstehe ich nicht ganz“, so der SPD-Politiker.
Gemischte Reaktionen auf höheren Beitrag für Kinderlose
Ein weiterer Vorschlag, den Zusatzbeitrag für Kinderlose in der Pflegeversicherung von 0,6 auf 0,7 Prozent zu erhöhen, stößt auf ein geteiltes Echo. 44 Prozent der Bundesbürger fänden dies richtig, während 52 Prozent dagegen sind. Auch hier sind die Werte über Ost und West sowie über Parteigrenzen hinweg ähnlich. Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung differenziert auf die verschiedenen Finanzierungsvorschläge reagiert.
Hintergrund: Steigende Pflegekosten
Die Pflegeversicherung deckt nicht alle Kosten, sodass Pflegebedürftige oft erhebliche Eigenanteile tragen müssen. Die Debatte um die Finanzierung wird durch steigende Kosten und die alternde Gesellschaft immer dringlicher. Experten warnen vor einem „Monster, das nicht reformierbar ist“, wie es ein Pflegeexperte formulierte. Die Politik steht vor der Herausforderung, eine nachhaltige Lösung zu finden, die sowohl die Solidargemeinschaft als auch die individuelle Verantwortung berücksichtigt.
Für das Trendbarometer befragte Forsa zwischen dem 29. Mai und dem 1. Juni 2026 insgesamt 1005 Menschen in Deutschland im Auftrag von RTL Deutschland. Die Fehlertoleranz liegt bei drei Prozentpunkten.



