Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist ein zunächst festgenommener zweiter Verdächtiger wieder auf freiem Fuß. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte, dass der Mann aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurde, da sich der anfängliche Tatverdacht nicht bestätigt habe. Der „Spiegel“ berichtete, die Freilassung sei bereits am Sonntagabend erfolgt.
Hintergründe zur Festnahme und Freilassung
Zeugen hatten zuvor ausgesagt, der Mann habe sich von dem weißen Transporter entfernt, den der Hauptverdächtige Abdul B. am Samstagabend während des CSD in eine Menschenmenge gesteuert hatte. Die Untersuchung des Fahrzeugs ergab jedoch keine Spuren, die auf eine Anwesenheit des Zweitfestgenommenen im Transporter hindeuten. Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen am Sonntagabend übernommen, da sie für islamistisch motivierte Terrorfälle zuständig ist.
Der Anschlag und seine Folgen
Der CSD in Berlin wurde am Samstagabend abgebrochen, nachdem ein Auto in die Menschenmenge gerast war. Eine 51-jährige Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen erlitten Verletzungen. Der Fahrer verließ laut Polizei das Fahrzeug und floh zu Fuß. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, der Täter sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen. Am Sonntagabend wurde der 21-jährige Abdul B. bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau erschossen, nachdem er mit einer Stichwaffe auf Einsatzkräfte zugelaufen war. Trotz Reanimationsmaßnahmen verstarb er noch vor Ort.
Einschätzung der Ermittler
Dobrindt äußerte sich im ARD-„Brennpunkt“ zu dem Fall: „Es gibt eine weitere Person, die dort in Betrachtung ist. Das hat sich bisher aber nicht erhärtet, ist aber auch noch nicht abgeschlossen.“ Er betonte, dass solche Anschläge typischerweise von Einzeltätern begangen würden. Die Bundesanwaltschaft prüft nun, ob Abdul B. Mitwisser oder Unterstützer hatte. Die Familie des Täters beschreibt seine Radikalisierung als „Gehirnwäsche“ und betont, sie sei „nicht extrem religiös“ gewesen. Die Ermittlungen zu möglichen Hintermännern dauern an, während der zweite Verdächtige vorerst nicht mehr im Fokus steht.



