Die ersten Plakate für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hängen – allerdings nicht in der Hauptstadt, sondern in der Türkei. Dort will die FDP Deutsch-Türken ansprechen, die im Land ihrer Eltern und Großeltern Urlaub machen.
Plakataktion am Grenzübergang
Gelbe Schrift auf blauem Hintergrund, dazu ein FDP-Logo – so wirbt Batuhan Temiz (30) für sich. Allerdings nicht in seinem Lichtenberger Wahlkreis, sondern am bulgarisch-türkischen Grenzübergang Kapitan Andreewo–Kapıkule. Das Ganze ist kein Gag, sondern seit Monaten gewissenhaft geplant.
Am Grenzübergang kommt es in der Feriensaison häufig zu stundenlangen Wartezeiten – es bleibt also viel Zeit zum Betrachten der Wahlplakate. Nicht nur das: Temiz läuft zwischen den wartenden Autos umher, verteilt seine Flyer. „Durch die Kennzeichen sehe ich ja, wen ich ansprechen muss“, so der FDP-Politiker zu B.Z.
Genehmigung vom Gouverneur
In Berlin dürfen Wahlplakate erst sieben Wochen vor dem Wahltag aufgehängt werden. Auf der türkischen Seite des Grenzübergangs gelten diese Regeln nicht. „Ich habe eine Genehmigung vom Gouverneur“, so Temiz. Warum diese Aktion? „Es gibt über 200.000 wahlberechtigte Deutsch-Türken bei der Berlin-Wahl“, sagt Temiz. Seine Hoffnung: „Wenn davon nur fünf Prozent FDP wählen, kommt unsere Partei wieder ins Abgeordnetenhaus.“ Viele Deutsch-Türken hätten sich in den letzten Jahren von der CDU abgewandt, würden nun Linke oder AfD wählen. „Die will ich zu uns holen.“
Wahlkampf im Urlaub
Temiz ist mit seinen Eltern und seiner Schwester im Türkei-Urlaub. Viel Erholung gönnt er sich nicht: In Ankara ist eine Rede vor liberalen Vereinen geplant, und selbst beim Besuch des Opas will er mit Berliner Deutsch-Türken über die Wahl reden.
Temiz ist gebürtiger Kreuzberger, zog später mit seinen Eltern nach Charlottenburg. „In Kreuzberg wäre ich in eine Schule gekommen, in der niemand Deutsch sprach.“ Sein Motto: „Den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen.“ Vor sechs Jahren Eintritt in die FDP. Temiz ist Mediziner, aktuell als Oberstabsarzt bei der Bundeswehr.
„Berlin sauber machen“
Im Wahlkampf setzt er auf das Thema Bildung. Was ihm sonst wichtig ist: „Den Deutsch-Türken geht es um eine Sache – Respekt. Sie wollen nicht Bürger zweiter Klasse sein.“ Auf den türkischsprachigen Plakaten kann Temiz mit seinem Nachnamen spielen – der bedeutet auf Türkisch „sauber“. „Berlin sauber machen“ ist deshalb zu lesen.



