Friedrich Merz: Steckbrief des Bundeskanzlers – Vermögen, Familie, Karriere
Friedrich Merz: Steckbrief des Kanzlers – Vermögen, Familie

Friedrich Merz: Der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik

Friedrich Merz ist seit Mai 2025 der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der CDU-Chef führte seine Partei nach der Bundestagswahl 2025 als stärkste Kraft in eine schwarz-rote Koalition mit der SPD. Doch sein Weg ins Kanzleramt war von historischen Tiefschlägen begleitet: Im ersten Wahlgang am 6. Mai 2025 verfehlte Merz die erforderliche Mehrheit – ihm fehlten 18 Stimmen. Ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Erst im zweiten Wahlgang wurde er mit 325 Stimmen zum Regierungschef gewählt.

Der 69-Jährige hatte viele Politikbeobachter bereits abgeschrieben. Nach seinem Machtkampf mit Angela Merkel verließ er 2009 den Bundestag und arbeitete als Rechtsanwalt und Unternehmensberater. Sein politisches Comeback begann 2018, als er für den CDU-Vorsitz kandidierte. Nach zwei gescheiterten Anläufen gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet wurde er im Januar 2022 mit 94,62 Prozent Zustimmung zum CDU-Chef gewählt.

Steckbrief: Joachim-Friedrich Martin Josef Merz

Geboren am 11. November 1955 in Brilon (Nordrhein-Westfalen) als ältestes von vier Kindern einer westfälisch-hugenottischen Familie. Sein Vater Joachim Merz war Jurist und Richter am Landgericht Arnsberg. Nach dem Abitur 1975 leistete Merz Wehrdienst bei der Artillerie der Bundeswehr, studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Marburg – gefördert durch ein Stipendium der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. 1982 legte er das Erste, 1985 das Zweite Staatsexamen ab. Kurz als Richter auf Probe tätig, wechselte er 1986 als Rechtsanwalt zum Verband der Chemischen Industrie.

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Merz ist seit 1981 mit Charlotte Merz (geborene Gass) verheiratet, die als Juristin Direktorin des Amtsgerichts Arnsberg ist. Sie wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie sich mit ZDF-Humorist Lutz van der Horst anlegte und dafür eine Rüge vom Presserat erhielt. Das Paar hat drei Kinder (einen Sohn und zwei Töchter) sowie sieben Enkel und lebt in Arnsberg.

Sein Vermögen ist öffentlich nicht genau beziffert, doch Merz selbst bezeichnete sich als Millionär mit Privatflugzeug und zählt sich zur „gehobenen Mittelschicht“. Durch seine Tätigkeit in der Industrie, für Konzerne wie BASF, Versicherungen wie AXA und Banken wie die Commerzbank, sowie als Aufsichtsratsmitglied unter anderem bei Blackrock Asset Management Deutschland AG (2016-2020) hat er erhebliches Vermögen angehäuft.

Politische Karriere: Von der Jungen Union ins Kanzleramt

Bereits 1972 trat Merz als Schüler der CDU bei und war kurz Vorsitzender der Jungen Union Brilon. Von 1989 bis 1994 gehörte er dem Europäischen Parlament an, danach wechselte er in den Bundestag, dem er bis 2009 angehörte. Als Finanz- und Wirtschaftsexperte machte er sich unter Fraktionschef Wolfgang Schäuble einen Namen. Nach Schäubles Rücktritt wegen der Spendenaffäre übernahm Merz 2000 den Fraktionsvorsitz. Den Parteivorsitz aber gewann Angela Merkel, die ihn nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 zu ihrem Stellvertreter degradierte. Im Dezember 2004 verlor Merz den Machtkampf endgültig und trat vom stellvertretenden Fraktionsvorsitz zurück.

Nachdem Merkel ihn 2005 nicht ins Kabinett berief, zog sich Merz aus der Spitzenpolitik zurück. 2009 schied er aus dem Bundestag aus. In den folgenden zehn Jahren war er Vorsitzender der Atlantik-Brücke, eines Vereins zur Förderung der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit.

Sein Comeback startete Merz im Oktober 2018, als er nach Merkels Verzicht auf den Parteivorsitz seine Kandidatur ankündigte. Er unterlag jedoch im Dezember 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und im Januar 2021 gegen Armin Laschet. Erst im Dezember 2021 gewann er eine Mitgliederabstimmung, die der Parteitag im Januar 2022 mit 94,62 Prozent bestätigte. 2025 führte er die Union als Kanzlerkandidat zum Wahlsieg und bildete eine Koalition mit der SPD, die sieben Ministerposten und einen sozialdemokratisch geprägten Koalitionsvertrag aushandelte.

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Kernthemen und politische Positionen

Merz gilt als Identifikationsfigur für konservative CDU-Mitglieder, die mit Merkels Kurs unzufrieden waren. In der Migrationspolitik vertritt er eine Law-and-Order-Haltung mit Forderungen nach strikten Grenzkontrollen und Zurückweisungen illegaler Zuwanderer. Das Bürgergeld will er durch eine neue Grundsicherung ersetzen. Rentenkürzungen oder eine Anhebung des Renteneintrittsalters lehnt er ab. Außenpolitisch ist Merz Transatlantiker und äußerte: „Trump und ich, wir kämen schon klar.“ Er befürwortet die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. Wirtschaftspolitisch setzt er auf Senkung der Netzentgelte, Reform der Unternehmensbesteuerung und Bürokratieabbau. Zur Finanzierung von Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung schließt er eine Reform der Schuldenbremse nicht aus.

Kontroversen und Kritik

Merz‘ größter politischer Erfolg ist die Wiedervereinigung der CDU nach der Ära Merkel. Allerdings fehlt ihm jegliche Regierungserfahrung. Laut einer Umfrage vom November 2024 würden nur ein Drittel der Wähler Merz direkt zum Bundeskanzler wählen. Immer wieder sorgte er mit umstrittenen Äußerungen für Kritik: Nach den Silvesterkrawallen 2023 bezeichnete er Jungen aus Zuwandererfamilien als „kleine Paschas“. Ukrainische Geflüchtete nannte er „Sozialtouristen“. Homosexuelle rückte er sprachlich in die Nähe von Pädophilen. Auf das Coming-out von Klaus Wowereit reagierte er 2001 mit den Worten: „Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal.“ Kritisch bewertet wird auch seine Ablehnung des Gesetzes zur Bestrafung von Vergewaltigung in der Ehe 1997, was er später mit dem Fehlen einer Widerspruchsklausel begründete und sagte, er würde heute anders entscheiden.