Die personellen Turbulenzen im Bundeswirtschaftsministerium reißen nicht ab. Wie der SPIEGEL erfahren hat, verliert Ministerin Katherina Reiche erneut eine Führungskraft: Der Chef ihrer Leitungsabteilung hat sein Amt nach nur rund zehn Wochen niedergelegt. Der genaue Zeitpunkt des Abgangs ist noch nicht bekannt, doch die Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Situation im Haus.
Abteilungsleiter erst im Mai angetreten
Der betroffene Abteilungsleiter hatte seine Position erst im Mai 2026 übernommen. Nach Informationen des SPIEGEL war sein Ausscheiden bereits seit einigen Tagen intern kommuniziert worden. Die genauen Gründe für den plötzlichen Abschied sind nicht bekannt, jedoch wird in Ministeriumskreisen von Unstimmigkeiten mit der Ministerin berichtet. Katherina Reiche (parteilos) steht seit ihrem Amtsantritt immer wieder in der Kritik, was die Führung des Hauses angeht.
Personalkarussell dreht sich weiter
Der Abgang ist bereits der dritte Wechsel auf einer Leitungsebene innerhalb weniger Monate. Bereits im Frühjahr hatten mehrere Spitzenbeamte das Ministerium verlassen oder waren in andere Positionen gewechselt. Die ständigen Personalrochaden beeinträchtigen nach Ansicht von Beobachtern die Arbeitsfähigkeit des Ministeriums. Insbesondere in der Wirtschafts- und Energiepolitik, die derzeit mit zahlreichen Baustellen konfrontiert ist, fehle es an Kontinuität.
Die Ministerin selbst zeigte sich bislang wenig gesprächsbereit zu den Vorgängen. Auf Anfrage des SPIEGEL ließ das Wirtschaftsministerium lediglich mitteilen, dass man „die Personalie nicht kommentieren“ werde. Intern soll Reiche jedoch verärgert über die erneute Abgangswelle sein.
Auswirkungen auf die Arbeit des Ministeriums
Die Leitungsabteilung ist eine der zentralen Schaltstellen im Ministerium. Sie koordiniert die Arbeit der verschiedenen Fachabteilungen und bereitet Entscheidungen der Ministerin vor. Ein Wechsel an der Spitze bedeutet daher oft erhebliche Verzögerungen bei laufenden Projekten. Experten befürchten, dass dadurch wichtige Vorhaben wie die geplante Wirtschaftswende oder die Digitalisierungsstrategie ins Stocken geraten könnten.
Die Opposition im Bundestag kritisierte die Entwicklung scharf. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dr. Thomas Berger, sprach von einem „Führungsversagen auf ganzer Linie“. Reiche sei offenbar nicht in der Lage, ihr Haus zusammenzuhalten. Die FDP forderte Konsequenzen und stellte die Frage nach der Eignung der Ministerin.
Reiches schwieriger Start
Katherina Reiche, die im Dezember 2025 überraschend zur Bundeswirtschaftsministerin ernannt wurde, kämpft seit ihrem Amtsantritt mit Widerständen. Die ehemalige Staatssekretärin im Umweltministerium galt bei ihren eigenen Leuten zunächst als Hoffnungsträgerin, doch schnell zeigten sich Friktionen. Vor allem ihre Art der Führung und ihre mangelnde Abstimmung mit den Abteilungen sorgten für Unmut. Die aktuelle Entwicklung könnte das Vertrauen in ihre Führungsfähigkeit weiter untergraben.
Es bleibt abzuwarten, wie die Ministerin die Vakanz füllen wird. Bereits in den nächsten Tagen soll über eine Nachbesetzung entschieden werden. Ob es sich dabei um eine interne Lösung oder eine externe Berufung handelt, ist noch offen. Fest steht: Die Personalprobleme im Bundeswirtschaftsministerium werden Reiche noch länger beschäftigen.



