Gut zwei Jahre vor dem geplanten Ende der Nutzung durch die Bundesregierung zeichnet sich für das Barockschloss Meseberg in Brandenburg eine Folgelösung ab. Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt-Stiftung, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir sind knapp davor, eine Lösung zu haben.“ Konkrete Details nannte er jedoch nicht. Die Stiftung ist Eigentümerin des denkmalgeschützten Anwesens, das seit rund 20 Jahren als offizielles Gästehaus der Bundesregierung dient.
Hintergrund: Kosten und Vertragsende
Im Februar 2025 hatte die Bundesregierung überraschend angekündigt, den Mietvertrag für das Schloss auslaufen zu lassen. Grund seien vor allem die hohen Betriebskosten. Das Kabinett unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte beschlossen, den Vertrag bis Februar 2027 zu erfüllen und dann nicht zu verlängern. Von Srbik zeigte sich von der Entscheidung überrascht: „Wir waren überrascht, dass die Bundesregierung das beenden möchte, denn die Vorgängerregierung hat noch eine zehnjährige Verlängerung in Aussicht gestellt.“
Symbolmiete und Sanierungsleistung
Die Messerschmitt-Stiftung hatte das stark sanierungsbedürftige Barockschloss im Jahr 1995 erworben. Nach aufwändiger Restaurierung wurde es der Bundesregierung zu einem symbolischen Mietpreis von einem Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug trug der Bund die laufenden Kosten für Unterhalt und Betrieb. Seit 2004 diente Meseberg als repräsentativer Ort für Kabinettsklausuren, bilaterale Treffen und Empfänge von Staatsgästen.
Regionale Verbundenheit und neue Perspektive
Der Vorstandsvorsitzende betonte die enge Bindung der Bevölkerung an das Bauwerk: „Die Meseberger Bevölkerung liebt ihr Schloss und schätzt die Stiftung, das ist nicht selbstverständlich in den neuen Bundesländern.“ Die Stiftung aus München ist bestrebt, eine langfristige Perspektive für das Areal zu sichern. Die Gespräche über eine Nachnutzung liefen auf Hochtouren – noch in diesem Jahr wolle man eine Entscheidung präsentieren.
Auswirkungen auf die Region
Der Rückzug der Bundesregierung wirft auch Fragen zur wirtschaftlichen Zukunft der Gemeinde Meseberg auf. Das Schloss brachte regelmäßig hochrangige Politiker und deren Delegationen in die ländliche Region, was lokalen Hotels und Gaststätten Aufträge sicherte. Die Stiftung verspricht jedoch, dass die neue Nutzung vergleichbare Impulse setzen werde. „Wir wollen eine Lösung, die dem Charakter des Ortes gerecht wird und gleichzeitig der Region zugutekommt“, so von Srbik.
Weiteres Vorgehen
Die Verhandlungen mit möglichen Nutzern sind nach Angaben der Stiftung weit fortgeschritten. Welche Interessenten im Rennen sind, ließ von Srbik offen. Spekulationen über eine Nutzung als Hotel, Tagungszentrum oder kulturelle Einrichtung wurden von der Stiftung weder bestätigt noch dementiert. Klar ist: Die Stiftung will das Ensemble dauerhaft bewahren und einer sinnvollen Bestimmung zuführen. Die offizielle Präsentation der neuen Lösung ist für die kommenden Monate angekündigt.



