Strack-Zimmermann: Ich wollte gar nicht als FDP-Chefin kandidieren
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat ihre überraschende Gegenkandidatur gegen Wolfgang Kubicki beim FDP-Parteitag als spontane Entscheidung dargestellt. In der ntv-Sendung „Pinar Atalay“ erklärte sie, dass sie ursprünglich gar nicht habe antreten wollen. „Ich wollte das gar nicht, weil ich ausgelastet bin“, sagte die 68-jährige Europaabgeordnete. Erst zwei Tage vor der Abstimmung habe sie sich entschieden, zu kandidieren.
Der Auslöser für die Kandidatur
Auslöser war nach ihren Angaben, dass der nordrhein-westfälische FDP-Landeschef Henning Höne, den sie unterstützt hatte, auf eine eigene Kandidatur gegen Kubicki verzichtete. Daraufhin habe sie in der Partei eine wachsende Enttäuschung wahrgenommen, „dass sie keine Wahl haben“. Diese Stimmung habe sie bewogen, selbst einzuspringen. „So gab ein Gedanke den anderen, und dann habe ich mich entschieden.“
Geheimhaltung bis zum Parteitag
Strack-Zimmermann betonte, dass sie die Entscheidung bewusst erst kurz vor dem Parteitag traf. Die innerparteiliche Entwicklung habe ihr das Gefühl gegeben, „ich sollte jetzt doch mal einsteigen“. Überrascht zeigte sie sich vor allem darüber, dass ihre Kandidatur bis zum Parteitag geheim blieb. Nach ihren Angaben waren „um die 50 Leute“ eingeweiht. „Ich war überrascht, dass es nicht vorher durchgesickert war“, sagte sie.
Angebot einer Doppelspitze mit Kubicki
Zuvor hatte sie Kubicki eine einjährige Doppelspitze vorgeschlagen. „Lass uns das mal machen. Übergangsweise ein Jahr“, habe sie ihm gesagt. Kubicki habe dies jedoch abgelehnt. Trotz des Konflikts zeigte sich Strack-Zimmermann zuversichtlich, dass beide weiter zusammenarbeiten würden. „Er ist robust“, sagte sie über Kubicki. Die Kampfkandidatur habe gezeigt, „da ist Demokratie“. Viele Parteimitglieder hätten eine echte Wahl gewollt: „Ich habe im Grunde die aufgefangen, die eine Wahl wollten.“
Hofreiter: Strack-Zimmermann wäre besser für die FDP gewesen
Der Grünen-Vorsitzende des Europaausschusses, Anton Hofreiter, hätte sich nach eigenen Worten gewünscht, dass Strack-Zimmermann die Abstimmung gewinnt. „Um ehrlich zu sein: Ich hätte mir auch für Frau Strack-Zimmermann gewünscht, dass sie die Wahl gewonnen hätte“, sagte er bei „Pinar Atalay“. Zwar wäre dies für die Grünen „zum Teil schwieriger geworden“, weil Strack-Zimmermann auch Wähler anspreche, die zuletzt von der FDP zu den Grünen gewechselt seien. Zugleich verwies er darauf, dass die Europawahl der jüngste Erfolg der Liberalen gewesen sei. „Es war die letzte Wahl, bei der wir über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen sind.“
Unterschiedliche Strömungen in der FDP
Hofreiter begründete seine Präferenz vor allem mit den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der FDP. Die Partei habe „einen liberalen Flügel, der ein ernsthaftes Interesse an Regieren und Verändern hat“ und die FDP in ihrer Breite abbilde. Daneben gebe es einen Flügel, „und dafür steht eher Kubicki“, der die Partei auf Wirtschaftsliberalismus verenge und sich mit dem Regieren schwer tue. Dies habe sich aus seiner Sicht wiederholt gezeigt – von der schwarz-gelben Koalition bis zur Ampel.
Besser für die Demokratie
Für die Demokratie und mögliche Regierungsbildungen wäre ein Erfolg Strack-Zimmermanns daher besser gewesen, sagte der Grünen-Politiker. „Ich glaube, es wäre für die Demokratie auch besser gewesen, wenn ein regierungswilliger und regierungsfähiger Teil der FDP stärker geworden wäre“, für den Strack-Zimmermann stehe.
Die ntv-Sendung „Pinar Atalay“ wird am 1. Juni 2026 um 20.15 Uhr und 23.30 Uhr auf ntv ausgestrahlt, auf YouTube sowie auf der Streamingplattform RTL+.



