Vertrauensverlust auf neuem Tiefpunkt
Das Vertrauen der Deutschen in die Handlungsfähigkeit des Staates ist auf einen neuen Tiefststand gefallen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des dbb Beamtenbund und Tarifunion trauen nur noch 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dem Staat zu, seine Aufgaben erfüllen zu können. „Die Ergebnisse unserer Befragung sind eine Katastrophe und ein Weckruf für die Regierung“, sagte der Bundesvorsitzende des dbb, Volker Geyer.
Abwärtstrend seit 2020
Der Vertrauenswert ist seit Jahren rückläufig. 2019 sprachen 34 Prozent dem Staat ihr Vertrauen aus, 2020 stieg der Wert zeitweise auf 56 Prozent. Seitdem sinkt er kontinuierlich: 2021 waren es 45 Prozent, 2022 fiel er auf 29 Prozent, 2023 auf 27 Prozent, 2024 auf 25 Prozent und 2025 – dem Jahr des Regierungsstarts von Kanzler Merz – auf 23 Prozent. Nun liegt er bei 17 Prozent. Im Umkehrschluss sehen 79 Prozent (2025: 73 Prozent) der Befragten den Staat als überfordert an – fast doppelt so viele wie 2020 (40 Prozent).
Parteipräferenz macht Unterschied
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede nach Parteianhängerschaft. Anhänger von CDU/CSU vertrauen dem Staat am meisten (38 Prozent), gefolgt von SPD (33 Prozent), Grünen (26 Prozent) und Linken (14 Prozent). Am kritischsten sind Anhänger der AfD: Nur 2 Prozent sprechen dem Staat Vertrauen aus. Laut dbb liegt die Verantwortung für den Vertrauensverlust bei den politischen Entscheidungsträgern, nicht bei den Beschäftigten im öffentlichen Dienst. „Die Bundesregierung ist am Zug“, betonte Geyer. „Die Bürger erwarten Reformen, die Wirtschaftswachstum schaffen, Sozialsysteme stärken und den Staat funktionsfähiger machen.“
Soziale Sicherung und Rente als Top-Themen
Die größten Probleme sehen die Befragten in der Reform der sozialen Sicherungssysteme und Rente (26 Prozent) sowie der Steuer- und Finanzpolitik (18 Prozent) – beide Werte stiegen im Vergleich zum Vorjahr (2025: 16 bzw. 13 Prozent). Die Asylpolitik verlor dagegen an Bedeutung: Der Anteil derjenigen, die dieses Thema als drängend sehen, fiel von 30 Prozent 2025 auf 16 Prozent 2026. Geyer sieht darin eine Botschaft: „Durch konsequentes Handeln kann der Negativtrend gestoppt werden.“
Vertrauen in öffentliche Bedienstete sinkt ebenfalls
Das Vertrauen in die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bleibt mit 59 Prozent zwar hoch, ist aber der schlechteste Wert seit Jahren. 2025 lag er bei 61 Prozent, 2007 noch bei 70 Prozent. Für besonders wichtig halten die Befragten die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme (55 Prozent „sehr wichtig“, 36 Prozent „wichtig“), die Sicherung von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen (54/38) sowie die Verbesserung der Infrastruktur (53/39). „Die Politik muss handeln, um diesen Sinkflug zu stoppen“, appellierte Geyer. Für die Erhebung befragte Forsa im Juli 2026 repräsentativ 2.018 Bürgerinnen und Bürger.



