Bremens CDU-Chef Heiko Strohmann hat Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ scharf kritisiert. Er warf dem Parteivorsitzenden vor, die CDU „mit der Brille eines Sauerländers“ zu führen und in der alten Bundesrepublik verhaftet zu sein. Die Partei wirke unter Merz „manchmal wie eine Partei vor der Wende“, so Strohmann in der Vorabmeldung vom Dienstag.
Strohmann fordert mehr Sensibilität für Ostdeutschland
Strohmann, der seit 2023 CDU-Landeschef in Bremen ist und in der DDR aufwuchs, betonte den gesamtdeutschen Anspruch der Union. Er kritisierte den Umgang mit den ostdeutschen Landesverbänden, die vor schwierigen Wahlen stünden und sich „regelmäßig onkelhaft erklären lassen müssen, wie es besser geht“. Diese Haltung sei kontraproduktiv und zeuge von mangelndem Respekt.
Der 58-Jährige, der 1968 in Rostock geboren wurde und seit 1999 der Bremischen Bürgerschaft angehört, sieht jedoch eine historische Chance für den Kanzler. Merz, der in gewisser Weise die alte westdeutsche Bundesrepublik personifiziere, könne auf die Ostdeutschen zugehen und sagen: „Ich weiß, wie ihr über uns, wie ihr über mich denkt. Ich möchte euch besser verstehen, und vielleicht könnt ihr dann auch mich besser verstehen.“
Interne Kritik im CDU-Bundesvorstand
Bereits vor einer Woche hatte Strohmann in einer internen Sitzung des CDU-Bundesvorstands deutliche Worte gefunden. „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei“, warf er Merz damals vor. Nun stellte er klar, dass es ihm nicht darum gegangen sei, Merz „in den Senkel zu stellen“, auch wenn dieser das vielleicht so verstanden habe. Vielmehr störe ihn die Art und Weise, wie die CDU mit den ostdeutschen Landesverbänden umgehe.
Die Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die CDU in Ostdeutschland vor wichtigen Wahlkämpfen steht. Die Landesverbände in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sehen sich mit wachsenden Umfrageverlusten konfrontiert und fordern mehr Unterstützung aus der Bundespartei. Strohmanns Vorwürfe könnten die Debatte über die Strategie der Partei in den neuen Bundesländern weiter anheizen.
Reaktionen aus der Partei
Innerhalb der CDU sorgten Strohmanns Äußerungen für geteilte Reaktionen. Während einige Funktionäre Verständnis für seine Kritik zeigten, verteidigten andere den Kurs von Merz. Ein Sprecher des Kanzleramts wollte sich auf Anfrage nicht zu den persönlichen Angriffen äußern, verwies aber auf die Erfolge der Bundesregierung in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Experten sehen in der öffentlichen Kritik eines Landesvorsitzenden ein Novum in der Ära Merz. „Solche deutlichen Worte aus den eigenen Reihen sind ungewöhnlich und zeigen, dass der Unmut in der Partei größer ist als gedacht“, kommentierte ein Politikwissenschaftler. Die Frage sei, ob Merz die Kritik als Ansporn nehme, seine Kommunikation mit Ostdeutschland zu verbessern, oder ob sie die internen Spannungen weiter verschärfe.
Strohmann selbst zeigte sich versöhnlich und betonte, es gehe ihm um die Sache. Er wünsche sich, dass die CDU ihre gesamtdeutsche Verantwortung ernst nehme und die Sorgen der Menschen in Ostdeutschland stärker in den Mittelpunkt stelle. Dazu gehöre auch, den Dialog mit den Landesverbänden auf Augenhöhe zu führen.



