Der Berliner Finanzsenator Stefan Evers ist neuer Spitzenkandidat der Landes-CDU für die Abgeordnetenhauswahl. Der Landesvorstand wählte den 46-Jährigen am späten Nachmittag einstimmig. Er übernehme außerdem die Parteiführung als kommissarischer Landesvorsitzender, wie die Berliner CDU auf X mitteilte.
Evers übernimmt auch kommissarischen Landesvorsitz
Der Landesvorstand hat einstimmig beschlossen: Stefan Evers ist unser neuer Spitzenkandidat zur Berlin-Wahl und übernimmt auch die Parteiführung als kommissarischer Landesvorsitzender, hieß es in einem Post der CDU Berlin. Aktuell ist Evers Bürgermeister, wie der Stellvertreter des Regierungschefs Kai Wegner in Berlin genannt wird. In Personalunion ist er außerdem Finanzsenator und seit dem Rücktritt von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) Ende April auch für die Kulturverwaltung verantwortlich.
Bekanntes Gesicht in der Berliner CDU
In der Berliner CDU ist Stefan Evers ein vertrautes Gesicht. Zumindest in der zweiten Reihe hat er im Laufe der Jahre eine Reihe von Aufgaben übernommen und gehört dem Abgeordnetenhaus bereits seit 2011 an. Wenn über die Frage diskutiert wurde, wer in der Landes-CDU für höhere Ämter infrage kommt, ist auch in der Vergangenheit bereits mehrfach sein Name gefallen. Die CDU-Kreisvorsitzenden hatten Evers bereits am Freitag für den Posten vorgeschlagen. Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seinen Rückzug von der CDU-Spitzenkandidatur erklärt.
Wegner: Rückzug zur Vermeidung weiterer Schwächung
Wegner sagte nach seinem Rücktritt, er wolle den Weg frei machen, "dass die CDU nicht durch Personaldebatten in den nächsten Tagen und Wochen weiter geschwächt wird". Es gehe ihm darum, nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus ein Linksbündnis unter Führung der Linkspartei zu verhindern. Bis zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September sind es nur noch gut zwei Monate.
Hintergrund: Wegners Rückzug nach Blackout-Kontroversen
Wegner zog mit seinem Rücktritt von der Kandidatur Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte über falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Schon kurz nach dem folgenreichen Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen teils tagelang keinen Strom mehr hatten, geriet er in die Kritik. Unter anderem deswegen, weil er verschwiegen hatte, am ersten Tag der Krise mittags Tennis gespielt zu haben.
Nach einem Eilantrag des "Tagesspiegels" musste Wegners Senatskanzlei schließlich zugeben, am 3. Januar vor 12.45 Uhr keine dienstlichen Telefonate zum Blackout geführt zu haben. Gegenüber dem Sender Welt TV hatte er noch behauptet: "Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz." Mit diesen Widersprüchen hatte Wegner den Ärger zahlreicher CDU-Mitglieder auf sich gezogen. In einem offenen Brief forderte ein Mitgliederbündnis seinen Rücktritt und den Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September.



