Kai Wegner hat im Juli 2026 seine Spitzenkandidatur für die CDU bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 zurückgezogen. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um widersprüchliche und falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach dem tagelangen Stromausfall in der Hauptstadt im Januar gegeben. Der 1972 in Berlin-Spandau geborene CDU-Politiker ist seit 2023 Regierender Bürgermeister von Berlin. Der Steckbrief zeigt die wichtigsten Informationen zu Familie, Freundin, Ausbildung und der sogenannten Tennis-Affäre.
Steckbrief von Kai Wegner: Familie, Wohnort, Ausbildung
Kai Wegner wurde am 15. September 1972 als Sohn einer Einzelhandelskauffrau und eines Bauarbeiters in Berlin-Spandau geboren. Er besuchte die Hans-Carossa-Oberschule im Spandauer Ortsteil Hakenfelde. Heute lebt er geschieden mit drei Kindern im selben Stadtteil. Seine Lebensgefährtin war bis 2023 die Politikwissenschaftlerin Kathleen Kantar, die zeitweise Geschäftsführerin der Piraten-Fraktion in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung war und ab 2014 als Wegners Referentin arbeitete. Anfang Januar 2024 machte Wegner seine Beziehung mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) öffentlich. Dass ein Regierungschef mit einer Ministerin seines Kabinetts liiert ist, dürfte ein Novum in der Berliner und bundesweiten Politik-Geschichte darstellen.
Kai Wegner: Herkunft & Ausbildung
Von 1993 bis 1994 leistete Wegner seinen Wehrdienst ab, um im Anschluss eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann zu beginnen. Ab 1997 war er zwei Jahre lang als Vertriebsmitarbeiter in einem Versicherungsunternehmen tätig. Danach wurde er Projektleiter in der Öffentlichkeitsarbeit eines mittelständischen Bauunternehmens, bei dem er von 2001 bis 2002 der Geschäftsleitung angehörte. Von 2002 bis 2012 arbeitete Wegner als selbstständiger Unternehmensberater und war von 2017 bis 2020 als ehrenamtlicher Präsident des DLRG-Landesverbandes Berlin aktiv.
Kai Wegner: Politische Karriere – von der Jungen Union zum Regierenden Bürgermeister
Kai Wegner trat der CDU 1989 bei und wurde Teil der Jungen Union. Von 2005 bis 2021 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. Seit November 2021 ist er Teil des Berliner Abgeordnetenhauses, von September 2021 bis April 2023 leitete er die CDU-Fraktion als Fraktionsvorsitzender. Bei der Berlin-Wahl 2023 erreichte Wegner als CDU-Spitzenkandidat 28,2 Prozent der Stimmen und trug damit den Wahlsieg davon. Im Anschluss sondierte er sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD. Die Gemeinsamkeiten mit den Sozialdemokraten überwogen, es folgten Koalitionsverhandlungen. Das Ergebnis stellten beide Parteien Anfang April 2023 vor – einen 135 Seiten langen Koalitionsvertrag mit dem Titel „Das Beste für Berlin“. CDU und SPD einigten sich auf eine Verkehrspolitik sowohl für Auto- als auch Radfahrende, eine Stärkung von Polizei und Justiz sowie eine umfassende Verwaltungsreform.
Kai Wegner und die Tennis-Affäre beim Stromausfall 2026
Nach dem Brandanschlag auf Hochspannungskabel im Süden von Berlin-Lichterfelde am frühen Morgen des 3. Januar 2026 kommt es in weiten Teilen des Bezirks Steglitz-Zehlendorf zu einem Stromausfall. Am Vormittag wird klar: Der Schaden ist gewaltig, eine schnelle Wiederversorgung nicht möglich. Inmitten einer winterlichen Wetterlage sind etwa 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung. Wegners Krisenmanagement gerät in der Folge in die Kritik, vor allem seine mangelnde Präsenz vor Ort – und seine Kommunikation. Am Tag nach den Brandanschlag sagt er: „Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne. Und habe dann koordiniert.“ Weiter sagt er: „Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren.“ Tage später wird bekannt, dass Kai Wegner am gleichen Tag zusammen mit seiner Partnerin Katharina Günther-Wünsch Tennis spielt. Öffentlich räumt er ein: „Ich habe von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte.“ Gegenüber „Welt TV“ sagt er zudem, er habe „um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen“. Er gibt an, mit dem Kanzleramt und dem Bundesinnenministerium sowie Krisenstäben und Stromnetz Berlin telefoniert zu haben. Recherchen des „Tagesspiegels“ zeigen allerdings: Wegner führte am 3. Januar am Vormittag keine dienstlichen Telefonate mit Regierungs- oder Behördenstellen. Unaufgeklärte Widersprüche gibt es zudem zu einem Telefonat, das Wegner am 4. Januar mit Merz geführt haben will. Die Berliner Senatskanzlei bleibt bei ihrer Aussage, das Gespräch habe am 4. Januar um 19.57 Uhr stattgefunden und vier Minuten gedauert. Ein Sprecher der Bundesregierung teilte hingegen mit: „Im Übrigen ist dem Bundeskanzler ein solches Telefonat nicht erinnerlich.“



