Der erwartete Wechsel von RB Leipzigs Shootingstar Yan Diomande zu Real Madrid lässt weiter auf sich warten. Beim Testspiel gegen den SC Verl fehlte der ivorische Nationalspieler ebenso wie im anschließenden Trainingslager in Saalfelden. Als Grund nennt der Bundesligist einen Infekt – doch hinter den Kulissen wird offenbar intensiv über einen Transfer verhandelt.
Was über die Verhandlungen bekannt ist
Nach übereinstimmenden Berichten von ntv.de und der dpa hat Real Madrid bereits ein Angebot in Höhe von 105 Millionen Euro vorgelegt. RB Leipzig jedoch pocht auf mindestens 120 Millionen Euro für den 20-Jährigen, dessen Vertrag keine Ausstiegsklausel enthält. Diomande war erst vor einem Jahr für 20 Millionen Euro vom spanischen Zweitligisten CD Leganés nach Sachsen gewechselt und hat sich dort binnen weniger Monate zu einem der begehrtesten Talente Europas entwickelt.
Die Tatsache, dass Diomande nicht für das Trainingslager im österreichischen Saalfelden gemeldet wurde, nährt Spekulationen, dass die Verantwortlichen in Leipzig den Transfer kurzfristig perfekt machen wollen. Der Klub teilte lediglich mit: „Sobald er genesen ist, wird er nachkommen.“ Eine offizielle Bestätigung der Verhandlungen gibt es weiterhin nicht.
Infekt oder Verhandlungspoker?
Offiziell leidet Diomande an einem Infekt, weshalb er sowohl beim 4:0-Erfolg gegen Drittligist SC Verl als auch beim Abflug nach Österreich fehlte. Beobachter sehen darin jedoch ein Muster, das bei laufenden Wechselverhandlungen üblich ist: Der Spieler wird aus dem Kader genommen, um Verletzungen zu vermeiden und den Verkaufsprozess zu beschleunigen. Da Diomande selbst den Wechsel zu Real Madrid forciert, gilt ein Abschluss vor dem Ende der Transferperiode als wahrscheinlich.
Die Dimension des Deals wäre für Leipzig ein Rekordgewinn: Nach dem geplanten Verkauf für 120 Millionen Euro stünde ein Plus von 100 Millionen Euro zu Buche – mehr als das Doppelte der bisherigen Rekordtransfererlöse des Klubs. In der Bundesliga zählt Diomande damit zu den wertvollsten Abgängen der Vereinsgeschichte.
Gulacsi vor dem Abschied nach Spanien?
Neben Diomande fehlt auch Torhüter Peter Gulacsi im Trainingslager. Der Ungar, der seit elf Jahren das Trikot der Roten Bullen trägt und zur neuen Saison seinen Stammplatz an die Konkurrenz verlieren soll, steht offenbar unmittelbar vor einem Wechsel. RB Leipzig bestätigte, dass sich Gulacsi „aktuell in Gesprächen mit einem anderen Verein“ befinde – als Wunschziel gilt der spanische Erstligist FC Villarreal.
Gulacsi war lange Zeit unumstrittener Stammkeeper und Kapitän, verlor jedoch nach einer schweren Verletzung und der starken Entwicklung von Nachfolger Bartosz Ratajczyk an Rückhalt. Ein Abschied würde den Kader von RB Leipzig finanziell weiter entlasten und Platz für einen jüngeren Torhüter schaffen. Der Klub hat mit Maarten Vandevoordt bereits einen belgischen Keeper verpflichtet, der als Ersatz eingeplant ist.
Leipzigs Vorbereitung: Zuletzt deutliche Steigerung
Unterdessen präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Martin Demichelis im Test gegen Verl deutlich verbessert. Nach zwei mühevollen Siegen gegen VSG Altglienicke (2:1) und den FC Ingolstadt (1:0) zeigte Leipzig gegen den Drittligisten frisches und entschlossenes Auftreten. Die Tore erzielten Lukas Klostermann (60.+1), Ridle Baku (71.), Ezechiel Banzuzi (84.) und Conrad Harder (120.) in der über zweimal 60 Minuten ausgetragenen Partie.
Beide Teams vergaben mehrere hochkarätige Chancen, RB scheiterte zweimal am Aluminium. Die deutliche Steigerung dürfte Demichelis Zuversicht geben, obwohl die Abgänge von Leistungsträgern wie Diomande und Gulacsi den Kader vorerst schwächen. Bis zum Saisonstart müssen die Leipziger nachlegen, um die entstandenen Lücken zu schließen – die Einnahmen aus den Transfergeschäften bieten dafür finanziellen Spielraum.
Ob der Diomande-Deal noch in dieser Woche über die Bühne geht, bleibt spannend. Real Madrid drängt offenbar auf eine Einigung, doch RB Leipzig zeigt sich bislang hart in der Sache. Sicher ist: Die Verhandlungen dürften die Schlagzeilen am letzten Transfertag dominieren.



