In genau einer Woche, am Mittwoch, den 3. August 2025, wird die CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einer Sondersitzung um 14.00 Uhr über einen Nachfolger für den zurückgetretenen Fraktionschef Jens Spahn entscheiden. Der Vorschlag kommt von den Parteivorsitzenden Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU). Doch bis dahin bleiben viele Fragen offen – von der Person über mögliche weitere Personaländerungen bis hin zu Spahns eigener Zukunft.
Wann kommt der Vorschlag?
Merz äußerte sich am Dienstag widersprüchlich zum Zeitplan. Auf einer Pressekonferenz im Kanzleramt versprach er zunächst, „zeitnah“ mit Söder einen Vorschlag zu präsentieren, um dann zu ergänzen: „Wir werden uns damit auch noch etwas Zeit lassen.“ Beobachter rechnen jedoch damit, dass die Personalie noch in dieser Woche bekannt gegeben wird – möglicherweise vor der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe am Montag und Dienstag im fränkischen Kloster Banz. Eine Verkündung parallel zu dieser Tagung gilt als unwahrscheinlich.
Wer sind die Kandidaten?
Als Top-Favorit gilt weiterhin Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU). Daneben werden Gesundheitsministerin Nina Warken, CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und Fraktionsvize Günter Krings (alle CDU) gehandelt. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) gilt als nahezu ausgeschlossen, da die CSU traditionell nie den Fraktionsvorsitzenden gestellt hat – die deutlich stärkere Schwesterpartei CDU beansprucht diesen Posten für sich. Überraschungen sind jedoch nicht ausgeschlossen.
Kleine, mittlere oder große Lösung?
Merz und Söder stehen vor drei Varianten des Personalumbaus: Bei der kleinen Lösung würde der neue Fraktionschef aus der Fraktion selbst kommen (etwa Krings), sodass keine weiteren Posten nachbesetzt werden müssten. Die mittlere Lösung träte ein, wenn der neue Vorsitzende aus dem Kabinett oder der Parteizentrale käme – dann müsste mindestens ein weiterer Posten besetzt werden, etwa wenn Frei, Warken oder Linnemann den Posten übernähmen. Die große Lösung wäre eine umfassende Kabinettsumbildung. Merz hatte im ZDF-„Sommerinterview“ am Sonntag gesagt: „Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken.“ Allerdings bergen zu viele Veränderungen das Risiko neuer Unsicherheiten. Als wahrscheinlichste Variante gilt derzeit die mittlere Lösung.
Rolle des Bundespräsidenten?
Es ist gut möglich, dass Merz und Söder auch über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen, der im Januar 2026 gewählt wird. Union und SPD dürften die Mehrheit in der Bundesversammlung haben, und da Steinmeier von der SPD kommt, wäre die Union am Zug. Eine offizielle Verkündung des Vorschlags ist zwar erst nach den Landtagswahlen im September geplant, doch Söder hat bereits die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) ins Spiel gebracht. Es ist schwer vorstellbar, dass die Parteichefs diese Personalie nicht schon jetzt mitdenken.
Was macht Jens Spahn?
Spahn ist seit seinem Rücktritt am Montag abgetaucht. Ob er zur Fraktionssitzung am Mittwoch kommt oder sein Bundestagsmandat aufgibt, ist unklar. Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte: „Ich weiß es nicht, was er selbst vorhat. Wenn er darüber gerne sprechen will, tue ich das selbstverständlich.“ Er werde ihm aber keine Ratschläge geben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, hofft hingegen: „Ich hoffe sehr, dass er uns in der Politik erhalten bleibt, natürlich auch als Mitglied unserer Fraktion.“
Muss der Bundestag extra tagen?
Sollte es einen oder mehrere Ministerwechsel geben, müssten die neuen Minister unmittelbar nach der Ernennung durch den Bundespräsidenten im Bundestag vereidigt werden. Das würde eine Sondersitzung des gesamten Parlaments erfordern, wofür Abgeordnete aus dem Urlaub zurückkehren müssten – eine teure Angelegenheit. Eine Alternative: Ein anderes Kabinettsmitglied übernimmt den Posten zunächst kommissarisch, und die Vereidigung erfolgt in der ersten regulären Sitzungswoche des Bundestags in der zweiten Septemberwoche. Diese Variante gilt als wahrscheinlicher.



