Die Berliner CDU hat ihren Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl im September ausgewechselt. Der Landesvorstand wählte Finanzsenator Stefan Evers am späten Nachmittag einstimmig in diese Position. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Landesvorstand. Die Erwartungen in der Partei an den 46-Jährigen sind hoch.
Wer ist Stefan Evers?
Stefan Evers ist derzeit Bürgermeister und Stellvertreter des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner. In Personalunion fungiert er als Finanzsenator und ist seit dem Rücktritt von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) Ende April auch für die Kulturverwaltung zuständig.
Geboren wurde Evers in Herdecke (Nordrhein-Westfalen), aufgewachsen ist er in Paderborn, wo er auch Abitur machte. Seit 1999 lebt er in Berlin. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam und arbeitete anschließend als Referent im Deutschen Bundestag für die CDU-Abgeordneten Friedhelm Ost und Werner Kuhn.
Politische Karriere in Berlin
In der Berliner CDU ist Stefan Evers ein vertrautes Gesicht. Er gehört dem Abgeordnetenhaus seit 2011 an. Seine Karriere im Landesparlament begann er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender – eine Aufgabe, die er bis 2018 ausübte. Anschließend war er bis 2023 parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Von Dezember 2016 bis Herbst 2023 amtierte er zudem als Generalsekretär der Landespartei.
Bereits in der Vergangenheit wurde sein Name mehrfach genannt, wenn es um höhere Ämter in der Landes-CDU ging. Evers gilt als loyal und hat sich öffentlich nicht an der Kritik an Kai Wegner beteiligt. Wegner löste 2019 Monika Grütters als Landesvorsitzende ab, beließ Evers aber auf seinem Posten als Generalsekretär. Bei der Wahl 2023 war Evers maßgeblich an der erfolgreichen Wahlkampagne beteiligt, woraufhin Wegner ihn als Finanzsenator in die Landesregierung holte.
Stärken und Kritik
Dem CDU-Politiker wird fachliche Kompetenz nachgesagt. Er gilt als jemand, der sich intensiv in Themen einarbeitet, schnell denkt und oft auch schnell redet. Im Landesparlament referiert er regelmäßig sachlich zur Finanzpolitik, zeigt aber auch eine andere Seite: Politische Gegner schont er nicht, seine Angriffe sind oft scharf formuliert. Im Wahlkampf hat er durchaus auf Samthandschuhe verzichtet.
Stimmen aus der Opposition werfen ihm hingegen vor, in Reden stets solide Haushaltspolitik zu beschwören, in der Praxis aber eine Rekordverschuldung in Berlin mitgetragen zu haben. Als Teil der schwarz-roten Landesregierung sei er zudem mitverantwortlich für die Missstände in der Hauptstadt.
Ausblick auf den Wahlkampf
Evers hat bereits inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. So übte er Kritik am kostenlosen Schulessen, für das sich SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh starkmacht – eine Kampfansage an den bisherigen Koalitionspartner. Zudem kündigte er an, alles zu tun, um eine links-grüne Regierung in Berlin zu verhindern. Scharfe Kritik insbesondere an der Linken ist in den kommenden Wochen zu erwarten.
Stefan Evers ist zwar seit Langem in der Landespolitik aktiv und überragt allein durch seine Körpergröße viele andere, aber er gehört nicht zu den Politikern, die jeder sofort erkennt. Der CDU-Politiker ist schwul und verheiratet. Er gilt als kulturinteressiert und unter anderem als Filmfan. Am Samstag meldete er sich auf der Plattform X mit dem Hinweis, abends bei den Pet Shop Boys in der Waldbühne sein zu wollen. Der „Berliner Morgenpost“ verriet er, dass er den Tierpark Friedrichsfelde als magischen Ort empfinde – seine Favoriten dort sind die Roten Pandas.



