Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat am Freitag, dem 10. Juli 2026, seinen Rückzug als Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl im September angekündigt. Grund ist die anhaltende Kritik an seinem Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Januar 2026. „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht“, räumte Wegner ein. Er bleibt jedoch bis zur Wahl am 20. September und der Bildung eines neuen Senats im Amt des Regierenden Bürgermeisters.
Kein Senatorenamt für Wegner
Wie es nach der Wahl politisch für ihn weitergeht, ließ Wegner offen. Klar stellte er jedoch, dass er kein Senatorenamt anstrebe. „Ich schließe komplett für mich aus, ein Senatorenamt zu übernehmen. Wenn man einmal Regierender Bürgermeister war, dann geht man nicht mehr zurück in ein anderes Amt, auf Senatsebene. Das war nie mein Anspruch“, sagte der Noch-CDU-Landeschef. Diese Aussage wird als Spitze gegen seine Koalitionspartnerin Franziska Giffey (SPD) gewertet, die nach ihrer Zeit als Regierende Bürgermeisterin (Dezember 2021 bis April 2023) das Amt der Wirtschaftssenatorin übernahm.
Atmosphärische Störungen zwischen Wegner und Giffey
Das Verhältnis zwischen Wegner und Giffey galt stets als zweckorientiert und war immer wieder Belastungen ausgesetzt. Erst Anfang Juli 2026 hatte Giffey Wegners Führungsqualitäten in Frage gestellt und ihm charakterliche Schwächen vorgeworfen. Mit Blick auf Wegners Tennismatch während des großen Stromausfalls im Januar sagte Giffey dem „Tagesspiegel“: „Es gibt nicht umsonst den Spruch: In der Krise zeigt sich der Charakter. Da gibt es bei vielen Wählern zu Recht Enttäuschungen.“
Bereits im Januar 2024 hatte Giffey Zweifel an Wegners Fähigkeit geäußert, Berufliches und Privates zu trennen, nachdem seine Liebesbeziehung mit Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) bekannt geworden war. Damals forderte Giffey: „Es geht darum, Rechtsklarheit zu schaffen und konkrete Vorgehensweisen für die strikte Trennung von privaten und beruflichen Interessen festzulegen – vor allem für den Konfliktfall.“
Stefan Evers als Favorit für die Nachfolge
Nach Wegners Rückzug zeichnet sich Stefan Evers, derzeit Finanz- und Kultursenator von Berlin, als neuer Spitzenkandidat der CDU ab. Unter den zwölf Kreisvorsitzenden gilt er als Favorit für die Nachfolge Wegners, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Kreisen der Kreisvorsitzenden erfuhr. Die CDU Berlin steht damit vor einem personellen Neuanfang, während Wegner bis zur Wahl im Amt bleibt.



