Berlins früherer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht auf den designierten CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers erhebliche Herausforderungen zukommen. „Die Zeit ist knapp, und der Schaden, den Wegner hinterlassen hat, ist nachhaltig“, sagte Wowereit (72) der „Bild“-Zeitung. Evers, derzeit Finanzsenator, soll am Nachmittag vom CDU-Landesvorstand offiziell als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September nominiert werden.
Fachpolitiker vor der Bewährungsprobe
Wowereit äußerte sich skeptisch über Evers‘ Fähigkeit, über seine fachpolitische Kompetenz hinauszuwachsen. „Da wird Evers Schwierigkeiten haben, aus einer fachpolitischen Kompetenz eine allgemeinpolitische zu machen“, so der langjährige Berliner Regierungschef (2001 bis 2014). Er müsse versuchen, verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Zugleich betonte Wowereit, dass auch Evers eine Mitverantwortung für die Krise trage. „Er muss erklären, warum er nicht früher interveniert hat“, forderte der SPD-Politiker.
Wegners Rückzug und die Folgen
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hatte am Freitag seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur erklärt. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um widersprüchliche und falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach dem tagelangen Stromausfall in der Hauptstadt im Januar gegeben. Der Vorfall hatte das Vertrauen in Wegners Führungsqualitäten schwer erschüttert.
Die CDU Berlin steht nun vor der Aufgabe, mit Evers einen neuen Spitzenkandidaten zu präsentieren, der das verlorene Vertrauen zurückgewinnen soll. Der Landesvorstand trifft sich am späten Nachmittag, um die Nominierung formell zu beschließen. Die Zeit bis zur Wahl am 20. September ist knapp, und die Partei muss schnell geschlossen auftreten, um die Wählerschaft zu überzeugen.
Herausforderungen für Evers
Evers, der als Finanzsenator bisher vor allem für seine Fachkompetenz bekannt ist, muss nun zeigen, dass er auch in der allgemeinen Politik Führungsstärke beweisen kann. Wowereit warnte, dass die Glaubwürdigkeit der CDU nachhaltig beschädigt sei. „Der Schaden, den Wegner hinterlassen hat, ist nachhaltig“, wiederholte er. Es bleibe abzuwarten, ob Evers in der Lage sei, die Partei aus der Krise zu führen und die Wähler von einem Neuanfang zu überzeugen.



