Hallervorden-Auftritte: Landes-CDU trotzt Kritik aus Berlin
CDU Sachsen-Anhalt hält an Hallervorden-Auftritten fest

Die CDU Sachsen-Anhalt hält an den gemeinsamen Auftritten von Ministerpräsident Sven Schulze und Kabarettist Dieter „Didi“ Hallervorden fest. Nach den Veranstaltungen in Halle an der Saale und Magdeburg in den vergangenen Tagen sollen die nächsten Termine in Dessau und Naumburg folgen – trotz scharfer Kritik aus der Bundespartei.

Der Generalsekretär des CDU-Landesverbands, Mario Karschunke, bestätigte der dpa, dass die Termine wie geplant stattfinden. Die Veranstaltungen seien sehr gut gebucht. Allein für Dessau am Montag lägen rund 600 Anmeldungen vor.

Ein Format über Freiheit und Kunst

Auf der Bühne stehen bei der Gesprächsreihe „Kultur braucht Freiheit“ neben Schulze und Hallervorden auch eine Moderatorin. Diskutiert wird über den persönlichen Freiheitsbegriff, die Rolle von Kunst und Meinungsfreiheit sowie den Zusammenhalt der Gesellschaft in einer Demokratie. Hallervorden sorgt dabei immer wieder mit musikalischen Beiträgen für Aufsehen – und mit politischen Botschaften.

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Der 90-Jährige lehnt die aktuelle Verteidigungs- und Rüstungspolitik ab. Bei einem Auftritt blendete er in einem Hintergrundvideo kurzzeitig das Foto einer Demonstration mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“ ein. Damit griff er seine bereits früher geäußerte Israel-Kritik erneut auf.

Bundes-CDU kontert deutlich

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte der „Bild“-Zeitung: „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“ Sie betonte zugleich: „Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben.“

Schulze zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. Bei der Veranstaltung in Magdeburg am Mittwoch stellte er sich demonstrativ hinter den Künstler. Auf der Bühne fragte er mit Blick auf sich selbst: „Kann der denn eine Veranstaltung machen, wo der Dieter Hallervorden denn so ein Lied singt?“ Seine Antwort: „Ja, weil das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich möchte kein Land haben und kein Land regieren als Ministerpräsident, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben.“

Landes-CDU: „Wir dürfen das Streiten nicht verlernen“

Der CDU-Landesverband verteidigte das Format ausdrücklich. Die Veranstaltung sei bewusst als Gesprächsformat angelegt gewesen, um zu zeigen, dass Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen respektvoll im Gespräch bleiben können. „Wir dürfen das Streiten nicht verlernen – unterschiedliche Auffassungen müssen nebeneinanderstehen können, ohne dass der Respekt füreinander verloren geht“, hieß es. Das bedeute jedoch nicht, dass sich Schulze oder die CDU Sachsen-Anhalt jede dort geäußerte Meinung zu eigen machten.

Hallervorden sei von sich aus mit dem Wunsch auf Schulze zugekommen, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass der Künstler seine eigenen Texte und Inhalte verantwortet und sich diese nicht vorgeben lässt. „Die politischen Positionen der CDU Sachsen-Anhalt ergeben sich aus ihren Beschlüssen und den Aussagen ihrer Verantwortungsträger und nicht aus künstlerischen Beiträgen von Gästen einer Veranstaltung“, stellte der Landesverband klar.

Lied über Merz und Pistorius sorgt für Zündstoff

Für weiteren Gesprächsstoff sorgt ein Lied, das sich an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) richtet. Darin heißt es: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“ In Halle erklärte Hallervorden dem Publikum: „Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.“

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Ein Ziel: AfD-Mehrheit verhindern

Hallervordens Engagement hat ein klares politisches Motiv. Er will verhindern, dass die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Regierung bilden kann. „Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünfprozenthürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern“, sagte er der dpa. Fünf Wochen vor der Wahl führt die AfD laut Umfragen deutlich vor der derzeit regierenden CDU. Der Landesverband der AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden hat der 1935 in Dessau geborene Hallervorden zudem eine Kampagne gestartet. Zusammen mit Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe empfiehlt er Wählerinnen und Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu setzen.