Lawine am Broad Peak: Rekordbergsteiger Nirmal Purja stirbt
Nirmal Purja stirbt bei Lawine am Broad Peak

Der nepalesisch-britische Rekordbergsteiger Nirmal Purja ist tot. Der Alpine Club Pakistan (ACP) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Samstagabend, dass alle zehn Mitglieder seiner Gruppe bei einem Lawinenunglück am Broad Peak ums Leben gekommen sind. Der Kontakt zu der Expedition war bereits am Donnerstagmorgen nach einem Lawinenabgang abgebrochen worden. Eine groß angelegte Rettungsaktion wurde eingeleitet, doch für die Verschütteten kam jede Hilfe zu spät.

Zehn Tote bei Expedition im Karakorum

Nach Angaben des ACP handelt es sich bei den Opfern um sechs Bergsteiger aus Nepal, einen Bergsteiger aus Pakistan, einen aus China, eine Alpinistin aus den USA sowie eine Bergsteigerin aus dem Oman. Purja, international auch als „Nims Dai“ bekannt, hatte die zehnköpfige Expedition geleitet. Er selbst war nepalesischer Abstammung und besaß die britische Staatsangehörigkeit.

Trauer und Anteilnahme weit über die Bergsteiger-Szene hinaus

Purjas Firma schrieb auf Instagram: „Mit tiefer Trauer und unermesslichem Kummer bestätigen wir den tragischen Tod von Nirmal Purja.“ Auch Nepals Premierminister Balendra Shah äußerte sich erschüttert: „Der tragische Tod von sechs Nepalesen und vier weiteren ausländischen Bergsteigern, darunter Weltrekordhalter Nirmal Purja, im pakistanischen Karakorum-Gebirge, schockiert uns.“

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Die Bergsteigerlegende Reinhold Messner würdigte den Verstorbenen auf der Plattform Instagram: „Was bleibt, ist nicht nur die Trauer über seinen Tod, sondern auch die Erinnerung an ein Leben, das er in vollen Zügen gelebt hat. Es sei ein Privileg, ihn gekannt zu haben.“

Purjas legendäre Rekordleistung

Weltweit bekannt wurde Nirmal Purja durch seine Rekordexpedition im Jahr 2019, als er alle 14 Achttausender innerhalb von nur sieben Monaten bestieg. Das war Weltrekord – bis August 2023, als eine Norwegerin und ein Nepalese gemeinsam schneller waren. Seine Mission nannte Purja bewusst herausfordernd „Project Possible“ (Projekt Möglich). „Als ich von dem Projekt erzählte, haben die Leute gelacht“, sagte er damals der Deutschen Presse-Agentur in Kathmandu. „Sie sagten, das wäre nicht möglich.“

Die Netflix-Produktion „14 Peaks: Nothing is Impossible“ dokumentiert seine Leistung und zeigt die extremen Bedingungen, denen er in den Todeszonen der Berge ausgesetzt war. Zuvor hatte Purja unter dem Namen Nimsdai Purja eine Autobiografie veröffentlicht, die zum Bestseller wurde. Die deutsche Fassung erschien 2022 unter dem Titel „Jenseits des Möglichen: 1 Mann, 6 Weltrekorde, 14 Achttausender“.

Erst am Montag hatte Purja auf der Plattform X erklärt, dass der Broad Peak ursprünglich nicht Teil seines Plans gewesen sei. Nach der Besteigung des Gasherbrum II, einem weiteren Achttausender in Pakistan, habe ihm nur noch der Broad Peak gefehlt, um als erster Mensch alle 14 Achttausender zweimal ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen zu haben.

Vor einem Jahr: Laura Dahlmeier starb in derselben Region

Die Unglücksorte im Karakorum-Gebirge sind nah beieinander. Vor fast genau einem Jahr, am 28. Juli 2025, kam die Deutsche Laura Dahlmeier bei einem Bergsteigerunfall am Laila Peak ums Leben. Die 31-jährige ausgebildete Bergführerin war mit einer Seilpartnerin unterwegs und wurde beim Abstieg auf einer Höhe von 5.700 Metern von einem Steinschlag am Kopf getroffen. Sie war vermutlich sofort tot. Rettungsmaßnahmen scheiterten an anhaltender Steinschlaggefahr und schlechtem Wetter. Dahlmeier hatte schriftlich festgelegt, dass in einem solchen Fall niemand sein Leben riskieren dürfe, um sie zu bergen. Ihr Leichnam verblieb am Berg.

Experte: Klimawandel erhöht Lawinengefahr

Der Broad Peak ist mit rund 8.050 Metern der zwölfthöchste Berg der Erde und liegt im Karakorum-Gebirge an der Grenze zwischen Pakistan und China. Die Region zieht jedes Jahr viele internationale Expeditionen an. Der pakistanische Bergsteigerexperte Irfanullah Baig erklärte gegenüber der dpa, der Broad Peak sei ein schwieriger Achttausender, an dem es auch in der Vergangenheit immer wieder Unfälle gegeben habe. Mit dem Klimawandel nähmen jedoch Lawinen, extremes Wetter und Steinschlag zu. „Die Temperaturen in den Ortschaften am Fuß der Berge steigen auf 40 Grad. Damit gibt es keine stabile Schneedecke mehr und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Schneeschmelze jederzeit Lawinen auslöst“, so Baig.

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Der Tod von Purja und seinen Begleitern verdeutlicht erneut die extreme Gefahr, die das Hochgebirge auch für die erfahrensten Alpinisten birgt. Die Rettungskräfte in Pakistan stehen vor enormen Herausforderungen, da die Unglücksorte oft in schwer zugänglichem Gelände liegen und die Wetterbedingungen unberechenbar sind.