Dresden (dpa/sn) – Die Linksfraktion im sächsischen Landtag hat einen Antrag eingebracht, der die Landesregierung auffordert, einen landesweiten Hitzeaktionsplan zu entwickeln. Ziel ist es, die Bevölkerung besser vor den gesundheitlichen Risiken extremer Hitzewellen zu schützen. Der Plan soll Warnungen bündeln und Bürger über Verhaltenstipps, Anlaufstellen, Kühl-Orte und Notfallkontakte informieren.
Unterstützung für Kommunen gefordert
Der Freistaat soll die Kommunen bei der Erstellung eigener Hitzeaktionspläne unterstützen. Konkret fordert die Linke die Förderung von Trinkwasserbrunnen, Verschattung, Entsiegelung, Stadtbegrünung, Sprühnebelanlagen und kühlen, öffentlich zugänglichen Aufenthaltsräumen. Für Krankenhäuser, Pflegeheime, Kitas und Schulen sollen Mindeststandards etwa zu Grünflächen und Biodiversität gelten.
Gesundheitsrisiken durch Hitze
Fraktionschefin Susanne Schaper betonte: „Die Temperatur ist für alle gleich – und doch hängt es stark von den Lebensumständen ab, wie gut wir eine Hitzewelle bewältigen können. ‚Kein Entrinnen vor der Hitze‘ – damit finden wir uns nicht ab. Alle Menschen sollen sich schützen können, so wie im Winter alle Anspruch darauf haben, nicht unter Kälte leiden zu müssen.“ Schaper erinnerte an lange und intensive Hitzewellen, die ein großes Gesundheitsrisiko darstellen. Besonders gefährdet seien Kinder, Ältere, Pflegebedürftige, chronisch Kranke, Wohnungslose, Menschen mit Behinderungen sowie Personen, die schweren körperlichen Tätigkeiten im Freien nachgehen oder in Gemeinschaftsunterkünften leben. Bei ihnen steige das Risiko von Herzrhythmusstörungen, Kreislaufversagen und Atemnot.
Hitzebedingte Todesfälle in Sachsen
Die Linken verwiesen auf Schätzungen des Robert Koch-Instituts, wonach es bis zur Jahresmitte 230 hitzebedingte Todesfälle in Sachsen gab. Im vergangenen Sommer starben bundesweit 6.300 Menschen an den Folgen extremer Hitze. „Es ist höchste Zeit, dass unser Land sich gegen Hitze wappnet“, folgerte Schaper. Derzeit hätten nur fünf Kommunen einen Hitzeaktionsplan, andere arbeiteten daran oder setzten Einzelmaßnahmen beziehungsweise Klimaanpassungskonzepte um. Dies müsse jedoch landesweit erfasst und koordiniert werden.
Stadtgrün als Schlüssel
„Eine Voraussetzung für Hitzeschutz, Gesundheit, Biodiversität und Umweltgerechtigkeit ist Stadtgrün. Stadtbäume können die Temperatur auf Fußgängerflächen je nach Standort um bis zu 12 Grad Celsius senken“, betonte Schaper. Dennoch werde weiter versiegelt, vor allem in dicht bebauten, städtischen Quartieren, die sich schon jetzt stärker aufheizen.



