Die Senkung der Grunderwerbsteuer in Thüringen hat dem Land im vergangenen Jahr Steuereinnahmen in Höhe von rund 42 Millionen Euro entgehen lassen. Dies geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Linke-Landtagsabgeordneten Sascha Bilay hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Linke hatte die Steuersenkung von Beginn an kritisiert und sieht sich nun in ihrer Skepsis bestätigt.
Einnahmenverlust durch Steuersenkung
Im Jahr 2025 flossen insgesamt rund 145,2 Millionen Euro aus der Grunderwerbsteuer in den Landeshaushalt. Finanzministerin Katja Wolf (BSW) schreibt in ihrer Antwort: „Ohne die erfolgte Steuersatzsenkung zum 1. Januar 2025 hätte das Land rechnerisch Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer in Höhe von rund 187,4 Millionen Euro erzielt.“ Die Differenz von etwa 42 Millionen Euro entspricht dem Steuerausfall.
Der Steuersatz für die Grunderwerbsteuer, die beim Immobilienkauf fällig wird, war auf Drängen der CDU zum 1. Januar 2024 von 6,5 Prozent auf 5,0 Prozent gesenkt worden. Die CDU hatte argumentiert, dass vor allem Familien durch den niedrigeren Satz den Erwerb von Wohneigentum leichter fällt.
Zweifel an Entlastungswirkung
Sascha Bilay bezweifelt, dass dieser Effekt tatsächlich eingetreten ist. Laut Ministerium werden in Thüringen jährlich durchschnittlich rund 50.000 Immobiliengeschäfte abgeschlossen, darunter nicht nur Wohnimmobilien. Das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation erfasste für 2025 etwa 6.200 Kaufverträge für Eigenheime – ein Anstieg gegenüber 2023 und 2024, aber unter dem Niveau der Jahre mit niedrigeren Zinsen und Baupreisen.
„Der erwartete Boom beim Bau mit Blick auf Familien ist ausgeblieben“, so Bilay. Seine Schlussfolgerung: „Für die Entscheidung, eine Immobilie zu erwerben, ist die Steuer völlig nebensächlich.“
Haushaltslücke und Kritik
Das fehlende Geld belastet nun den Landeshaushalt. Bilay kritisiert: „Einerseits wird auf Einnahmen verzichtet – andererseits werden die schlechte Haushaltslage beklagt und Kürzungen bei Sozialvereinen und Investitionen in die Infrastruktur angekündigt. Das passt nicht zusammen.“ Die Linke fordert eine Rückkehr zum alten Steuersatz, um die Einnahmen zu stabilisieren und soziale Ausgaben zu sichern.



