Der feministische Verein FrauenBildungsHaus e.V. in Dresden ist erneut Ziel eines Einschüchterungsversuchs geworden. Wie die Einrichtung mitteilte, entdeckten Mitarbeiterinnen am vergangenen Wochenende eine tote Ratte in ihrem Briefkasten. Dem Tier war offenbar die Kehle durchgeschnitten worden, es war bereits halb verwest. Der Vorfall wurde umgehend bei der Polizei angezeigt.
Eskalation nach wiederholten Attacken
Es handelt sich nicht um den ersten Angriff auf das FrauenBildungsHaus. Bereits zuvor gab es Sachbeschädigungen wie Kaugummis auf den Schildern und zerstörte Gegenstände im Hof. „Nach diesen Vorfällen ist hier eine neue Eskalationsstufe erreicht“, erklärte der Verein in einer Stellungnahme. „Dieser Vorfall ist nicht nur widerlich, sondern eine ganz klare Drohung gegen uns als Verein.“
Der Verein, der seit 1990 besteht, versteht sich als Ort der Begegnung, Beratung und Bildung von und für Frauen. Ziel ist es, Frauen auf ihrem persönlichen und beruflichen Weg zu unterstützen und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Das Angebot reicht von emanzipatorischer Frauenprojekt- und Bildungsarbeit über queerfeministischen und antifaschistischen Aktivismus bis hin zu professioneller sozialer Arbeit, Archivarbeit, politischer Erwachsenenbildung und einer Beratungsstruktur mit intersektional feministischem Anspruch.
Drohende Kürzungen und gesellschaftliche Stimmung
Die Verantwortlichen des FrauenBildungsHauses sehen sich nicht nur mit direkten Drohungen konfrontiert, sondern auch mit einem schwierigen finanziellen Umfeld. Sie berichten von drohenden Kürzungen und einem Kampf um die Weiterführung ihrer Projekte. Zugleich bekommen sie „den Hass und die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung zu spüren“. Die jüngste Drohung sei daher „in Zeiten, in denen diejenigen, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen, sich nicht mehr sicher fühlen dürfen, sehr ernst zu nehmen“.
Geschäftsführerin Sarah Buddeberg zeigte sich entschlossen: „Unsere Antwort ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern! Unser Verein steht für Feminismus, Selbstbestimmung und echte Gleichberechtigung. Dafür streiten wir, auch wenn es unbequem wird.“
Politische Unterstützung und Forderungen
Unterstützung erhielt der Verein von den Linken in Dresden. Der Parteivorsitzende Florian Berndt kritisierte die Politik scharf: „Während der Staat mit massiven Kürzungen bei wichtigen Projekten signalisiert, Gleichstellungsarbeit sei verzichtbar, fühlen sich Täter offenbar durch rechte Scharfmacher zu solchen Taten bestärkt.“ Die Linken fordern nun den Schutz für zivilgesellschaftliches Engagement und eine verlässliche Finanzierung der Gleichstellungsarbeit.
Buddeberg bleibt kämpferisch: „Ein solcher Ort ist heute wichtiger denn je. Unsere Solidarität ist stärker als der Wind, der uns entgegenweht.“ Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht nach Zeugen, die Angaben zu möglichen Tätern machen können. Der Tatzeitraum wurde auf das zurückliegende Wochenende eingegrenzt.



