Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist im Juli 2025 weiter deutlich gesunken. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, wurden im vergangenen Monat insgesamt 4311 Erstanträge auf Asyl gestellt. Das ist ein Rückgang um rund 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, als noch 8293 Erstanträge registriert wurden. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über die aktuellen Zahlen berichtet.
Dobrindt sieht Erfolg seiner Politik
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wertet die Entwicklung als Bestätigung seines Kurses. „Wir drängen die illegale Migration weiter zurück“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Wir ordnen das Migrationsgeschehen in Deutschland und Europa hin zu Klarheit und Konsequenz.“ Die Zahlen zeigen, dass die Maßnahmen der Bundesregierung Wirkung zeigen.
Der Rückgang ist bemerkenswert, da die Asylzahlen in den Vorjahren zeitweise stark angestiegen waren. Im Juli 2024 lag die Zahl der Erstanträge noch bei 8293 – fast doppelt so hoch wie heute. Auch im Gesamtjahr 2024 waren die Zahlen höher als in den vergangenen Monaten. Experten führen den Rückgang unter anderem auf die verschärfte europäische Asylpolitik zurück.
EU-Asylreform in Kraft getreten
Im Juni trat nach jahrelangen Verhandlungen die europäische Asylreform in Kraft. Sie zielt darauf ab, weniger Asylsuchende in die EU kommen zu lassen und enthält zahlreiche Verschärfungen für Asylsuchende auch in Deutschland. Kernstück sind einheitliche Asylverfahren an den EU-Außengrenzen. Migrantinnen und Migranten sollen dort direkt abgeschoben werden können, wenn ihr Asylantrag aussichtslos ist.
Die Betroffenen sollen unter haftähnlichen Bedingungen an den Grenzen untergebracht werden. Dazu gehören unter anderem ein Schnell-Check für Migranten, die systematische Erfassung ihrer Fingerabdrücke in einer zentralen Datenbank sowie beschleunigte Asylverfahren für Menschen aus Ländern mit einer geringen Anerkennungsquote. Diese Maßnahmen sollen die Verfahren beschleunigen und die Migration steuern.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Reform scharf. Sie warnen vor einer Aushöhlung der Rechte Schutzsuchender. Besonders die haftähnlichen Bedingungen an den Grenzen stoßen auf Bedenken. Organisationen wie Amnesty International und Pro Asyl fordern, dass Asylverfahren fair und rechtsstaatlich bleiben müssen.
Die Bundesregierung verteidigt die Reform als notwendigen Schritt, um Migration zu ordnen. Innenminister Dobrindt betonte, dass Deutschland weiterhin Schutz für politisch Verfolgte biete, aber illegale Migration konsequent bekämpft werde. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Reform Wirkung zeigt – die Frage ist, ob sie langfristig trägt.



