Harald Martenstein: Sollte ein Politiker ehrlich sein?
Harald Martenstein: Ehrlichkeit von Politikern

Ein offener Brief an den ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten

Sehr geehrter Herr Ex-Ministerpräsident,

vermutlich werden Sie in die Geschichte eingehen. Aber nicht als Regierungschef von Thüringen. Sondern, falls die Vorwürfe halbwegs stimmen, als Mogelpackung.

Ihre Doktorarbeit enthielt angeblich so viele Plagiate, dass man mit dem Zählen gar nicht mehr nachkommt – waren das wirklich 265 Plagiate? Der Titel wurde Ihnen vorerst entzogen, auch die Bezeichnung „Professor für digitale Transformation“ dürfen Sie nicht mehr führen. Der Lerneffekt bei Ihnen: null komma null.

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Für die „FAZ“ verfassten Sie kürzlich einen Artikel über ein Digitalthema, angeblich als Digitalprofessor außer Dienst. Eine Prüfung ergab, dass der Text vollständig von einer Künstlichen Intelligenz stammen dürfte, zumindest größtenteils.

Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass nahezu Ihr gesamtes Werk – Artikel und Reden zu den unterschiedlichsten Themen – aus derselben Quelle fließen könnte. Diese Quelle sprudelt leider nicht in Ihrem Kopf.

Ich habe einfach einmal, genau wie Sie, die KI befragt: „Sollte ein Politiker ehrlich sein?“ Meine KI antwortet: „Das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat hängt stark von der Integrität seiner Führungspersonen ab.“

Nun ja. Vielleicht ist es für den Staat mitunter sogar besser, wenn bestimmte Politiker auf die Künstliche Intelligenz zurückgreifen, statt auf die eigene? Ich plädiere für eine Einzelfallprüfung.

Viel Glück, Ihr

Harald Martenstein

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