Renten-Kollops droht: Ausgaben verdreifacht, Bürger unterkapitalisiert
Renten-Kollops: Ausgaben verdreifacht, Bürger unterkapitalisiert

Die Rechnung für Deutschland geht nicht mehr auf: Immer mehr Rentner stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) warnt in einem neuen Grundsatzpapier vor einem drohenden Kollaps des Rentensystems. Deutschland gehört demnach zu den am stärksten gealterten Volkswirtschaften weltweit. Die Lasten der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung müssen auf immer weniger Schultern verteilt werden.

Immer weniger Erwerbsfähige pro Rentner

Aktuell kommen auf jeden Rentner 2,5 Erwerbsfähige. Das entspricht 38,8 Rentnern pro 100 Erwerbsfähige im Alter von 20 bis 64 Jahren. Wenn die geburtenstarke Babyboomer-Generation bis 2037 in den Ruhestand geht, sinkt die Zahl auf nur noch 1,9 Erwerbsfähige pro Rentner. Bis 2070 fällt der Wert sogar auf 1,7 Erwerbsfähige pro Rentner. Die INSM rechnet in ihrer Studie knallhart vor, was Deutschland in den nächsten Jahren droht, wenn das System nicht reformiert wird: steigende Beiträge, wachsender Druck auf den Bundeshaushalt und mögliche Leistungskürzungen.

Deutschland altert besonders schnell

Unter den Industrienationen weisen nur Japan, Italien und Frankreich ähnlich hohe Altenquotienten auf. Damit liegt Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt und zählt im europäischen Vergleich zur Spitzengruppe der alternden Nationen. Besonders bitter: Die Entwicklung kam nicht überraschend. Bereits vor einem Vierteljahrhundert hatte das Statistische Bundesamt die Bevölkerungsentwicklung für heute nahezu exakt errechnet. Doch die Politik hat notwendige Reformen verpennt oder unterlassen.

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Rentenausgaben seit den 1990ern verdreifacht

Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge wurde nicht aufgebaut. „Mit einem Altersvorsorgevermögen von lediglich 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 95,2 Prozent – ist Deutschland in dieser Dimension dramatisch unterkapitalisiert“, schreiben die Studienmacher. Private und betriebliche Rentenausgaben liegen in Deutschland bei nur 0,7 Prozent. In den USA oder der Schweiz sind es 5,7 Prozent.

Die Rentner-Flut wird immer teurer: Während die gesetzliche Rentenversicherung Anfang der 1990er Jahre 134 Milliarden Euro auszahlte, sind es heute 427 Milliarden Euro pro Jahr – mehr als dreimal so viel. Das entspricht 10,8 Prozent des BIP. Trotz steigenden Rentenalters verbringen Deutschlands Senioren nicht lange im Ruhestand. Männer beziehen nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben im Schnitt noch 19 Jahre Rente, Frauen 22,4 Jahre. Die Rentenbezugsdauer hat sich seit 1957 von 10,4 auf 20,5 Jahre verdoppelt, liegt im OECD-Vergleich aber nur im Mittelfeld. Franzosen, Luxemburger oder Österreicher gehen oft mehrere Jahre früher in Rente, Schweizer und Schweden profitieren von einer höheren Lebenserwartung.

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