US-Justizministerium verlangt Notizen von NYT-Journalist zu Nordkorea
US-Justizministerium verlangt Notizen von NYT-Journalist

Das US-Justizministerium hat die Herausgabe von Notizen und eine Zeugenaussage des freien Journalisten Matthew Cole verlangt, der für die New York Times arbeitet. Die Vorladung wurde laut einem Bericht der Zeitung im Februar von der Staatsanwaltschaft in Virginia ausgestellt. Cole hatte im Jahr 2025 einen Artikel mitverfasst, der eine fehlgeschlagene US-Militäroperation in Nordkorea aufdeckte. Die Ermittler vermuten, dass Geheimnisträger dem Journalisten unrechtmäßig Informationen zugespielt haben.

In dem Artikel beschrieben Cole und seine Koautoren anhand von 24 anonymen Quellen, wie Soldaten der Elitesoldaten Navy SEALs Anfang 2019 bei einem Einsatz in Nordkorea mehrere unbewaffnete Nordkoreaner töteten. Die Militäroperation war bis dahin geheim geblieben. Die Vorladung richtet sich nun gezielt gegen Coles Arbeitsmaterial: Die Behörden fordern sämtliche Notizen aus mehr als zwei Jahren sowie seine persönliche Aussage vor Gericht.

Behörde sieht nationale Sicherheitsinteressen berührt

Ein Sprecher des US-Justizministeriums erklärte, man werde „alle verfügbaren rechtlichen Mittel nutzen, um diejenigen zu identifizieren, die unrechtmäßig Informationen zur nationalen Verteidigung preisgeben“. Damit bestätigt das Ministerium indirekt, dass die Ermittlungen gegen Coles mutmaßliche Quellen innerhalb der US-Sicherheitsbehörden gerichtet sind. Solche Vorladungen an Journalisten gelten juristisch als heikles Mittel, weil sie den verfassungsrechtlich geschützten Presseschutz unterlaufen können.

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Die New York Times wies die Vorladung umgehend zurück. Ihr Sprecher Charlie Stadtlander nannte den Vorgang „einen weiteren dreisten und illegalen Übergriff der Regierung“. Mit der Formulierung „weiterer“ verwies er auf frühere Fälle, in denen US-Regierungen versucht hatten, an journalistische Quellen zu gelangen. Gerade in Verfahren zu Geheimnisverrat werden Medienvertreter häufig unter Druck gesetzt, ihre Informanten preiszugeben.

Anwalt kündigt juristischen Widerstand an

Coles Anwalt David A. O’Neil kündigte an, gegen die Vorladung vorzugehen. Sein Mandant werde sich „nicht von Versuchen einschüchtern lassen, Informationen zu unterdrücken, die die Regierung als unangenehm ansieht“. Die New York Times übernimmt nach eigenen Angaben die Anwaltskosten für Cole – ein übliches, aber dennoch symbolisch starkes Signal der Solidarität.

Der Fall reiht sich ein in eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen US-Regierungen und Medien. Immer wieder versuchen Ermittlungsbehörden, an journalistisches Material zu gelangen. Besonders in Leak-Untersuchungen stellt sich die Frage, ob der Schutz der Pressefreiheit oder das Strafverfolgungsinteresse des Staates überwiegt. Vorladungen an Journalisten sind zwar selten, werden aber von Presseverbänden als Einschüchterung wahrgenommen.

Eine Operation mit tödlichen Folgen

Der zugrunde liegende Artikel schildert ein brisantes Ereignis: Anfang 2019 sollen Eliteeinheiten der Navy SEALs bei einem verdeckten Einsatz in Nordkorea auf unbewaffnete Personen gestoßen sein und mehrere von ihnen getötet haben. Die Details beruhen auf umfangreichen Recherchen von Cole und seinen Kollegen, die dafür Dutzende Insider befragten. Die 24 anonymen Quellen verdeutlichen das Ausmaß der Untersuchung. Die Enthüllung löste damals Debatten über die Legitimität solcher Militäroperationen aus.

Für Cole persönlich hat die Auseinandersetzung unmittelbare Folgen. Als freier Journalist ist er nicht durch eine feste Redaktionsanstellung abgesichert. Die juristische Unterstützung durch die New York Times dürfte daher entscheidend sein, um die Kosten eines Rechtsstreits zu tragen. Ob die Vorladung vor Gericht Bestand haben wird, ist offen. US-Richter wägen in solchen Fällen das öffentliche Interesse an der Aufklärung von Missständen gegen die Strafverfolgungsinteressen des Staates ab. Ein Präzedenzfall könnte weit über diesen Einzelfall hinausreichen.

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