Die Vorfreude war dem neuen Trainer ins Gesicht geschrieben: Marcel Rapp (47) genoss sichtlich seinen Gang über den Rasen des Millerntors zur Bank, als er sich auf seine Heim-Premiere als Coach des FC St. Pauli vorbereitete. Das Testspiel gegen den spanischen Zweitligisten RCD de A Coruña endete 2:2 – und fiel in der Gesamtbewertung des Übungsleiters überraschend positiv aus, auch wenn er die zwei Gegentore kritisch einordnete.
Rapp: „Ordentliches Spiel“ mit unnötigen Gegentoren
Nach insgesamt 120 Minuten zog Marcel Rapp eine gemischte Bilanz. „Ich glaube, es war ein ordentliches Spiel. Wir haben zwei Gegentore gekriegt, die man nicht kriegen muss. Unglücklich, kann aber immer mal passieren. Insgesamt hatten wir mehr Bälle im Sechzehner des Gegners als bei uns. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte der 47-Jährige. Er ergänzte: „Ich glaube, die Leute sind auf ihre Kosten gekommen, haben alle mal spielen sehen. Viele haben das erste Mal hier gespielt, insofern war es auch da ein Test.“
Die statistische Ausbeute sprach für die Hamburger: Mehr Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, ein ausgeglichenes Endergebnis – doch die Art der Gegentore dürfte Rapp in der Vorbereitung auf den Zweitliga-Start Sorgen bereitet haben. Der Coach ließ weitgehend die Formation auflaufen, die auch zum Auftakt der 2. Liga erwartet wird. Lediglich auf einer Position überraschte er.
Verletzungsschock: St. John droht auszufallen
Der Wermutstropfen des Abends war die späte Verletzung von Rawley St. John. Der 21-Jährige verdrehte sich kurz vor dem Abpfiff das rechte Knie und musste behandelt werden. Rapp zeigte sich besorgt: „Er wird untersucht. Da kann man noch nicht genau sagen, was es ist. Er wird sicher nicht trainieren können. Das sah nicht gut aus. Da müssen wir mal schauen.“
Für den Rechtsverteidiger, der in der Vorbereitung starke Leistungen gezeigt hatte, könnte ein längerer Ausfall die Planungen für die ersten Wochen der Saison durcheinanderbringen. St. Pauli hat auf dieser Position jedoch mehrere Optionen, wie Rapp andeutete. Erst nach der genauen Diagnose wird der Trainerstab entscheiden, ob nachjustiert werden muss.
Hara überrascht in der Startelf und trifft
Eine bemerkenswerte Personalentscheidung traf Rapp in der Offensive: Taichi Hara begann neben Martijn Kaars und durfte sich über seinen Startelf-Einsatz freuen. Der Coach begründete die Wahl: „Er macht es einfach gut, auch im Training, hat es auch verdient, mal von Anfang an zu spielen.“ Der Japaner zahlte das Vertrauen mit einem kuriosen Kopfballtor zum 1:0 zurück. Später wurde Hara durch Ricky-Jade Jones ersetzt, der ebenfalls einen ordentlichen Eindruck hinterließ. Rapp lobte: „Der hat andere Qualitäten, machte das auch ordentlich. Von daher haben wir viele gute Spieler auf einem guten Stand.“
Mit Hara und Jones stehen Rapp gleich mehrere Optionen für die Offensive zur Verfügung. Neben Kaars als gesetztem Stürmer dürfte sich ein Zweikampf um den zweiten Platz entwickeln. Rapp ließ sich jedoch nicht in die Karten blicken, wer zum Saisonauftakt in der 2. Bundesliga beginnen wird.
Offene Personalfragen vor dem Ligastart
Die Formation für das erste Pflichtspiel bleibt vorerst offen. „Wir werden jetzt nicht mit sieben anderen Spielern nächste Woche anfangen. Aber es ist noch eine ganze Trainingswoche. Da gibt's schon Jungs, die dran sind. Da ist die Tür weiter nach allen Seiten offen“, erklärte Rapp. Klar ist: Die Startelf vom Donnerstagabend hat eine starke Bewerbung abgegeben, aber die Konkurrenz lauert.
Das 2:2 gegen Deportivo A Coruña war der letzte große Test vor dem Ernststart. St. Pauli spielt in der zweiten Liga und will in der kommenden Saison oben mitspielen. Die Fans konnten am Millerntor bereits einen ersten Eindruck von der Handschrift des neuen Trainers gewinnen – mit Licht und Schatten. Während die Offensive überzeugte und viele Torchancen herausgespielt wurden, offenbarte die Defensive noch Schwächen, insbesondere bei Standards und schnellen Gegenstößen.
Marcel Rapp bleibt für die Feinarbeit nur eine Woche. Bis dahin muss er die Fitness von Rawley St. John abwarten und die endgültige Startformation festlegen. Die Tür für Überraschungen ist laut dem Coach noch offen – sowohl für Aufsteiger als auch für etablierte Kräfte. Die Erwartungen in Hamburg sind hoch, die Vorbereitung aber noch nicht abgeschlossen.



