Der Widerstand gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Frührente wächst auch in Westdeutschland. Jochen Ott, SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hat sich nun klar gegen das Ende der sogenannten Rente mit 63 ausgesprochen. Ebenso lehnt die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger den Vorschlag der Rentenreformkommission ab.
Ott: Lange Erwerbsbiografien müssen anerkannt werden
„Wer mit 15 Jahren angefangen hat zu arbeiten und jahrzehntelang Beiträge gezahlt hat, muss auch künftig die Möglichkeit haben, ohne Abschläge in Rente zu gehen“, sagte Ott dem Tagesspiegel. Er betonte, dass dies kein Privileg sei, sondern Ausdruck der Anerkennung für ein langes Arbeitsleben. „Deshalb muss im parlamentarischen Verfahren klargestellt werden, dass Menschen mit besonders langen Erwerbsbiografien weiterhin eine verlässliche Perspektive haben“, so der Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in NRW weiter. Wer sein gesamtes Arbeitsleben Verantwortung übernommen, seinen Unterhalt selbst bestritten und in die Rentenkasse eingezahlt habe, dürfe am Ende nicht schlechtergestellt werden.
Rehlinger: Vorschlag widerspricht Respekt vor Lebensleistung
Die SPD-Vizevorsitzende Anke Rehlinger äußerte sich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe ähnlich kritisch. „Ich lehne den aktuellen Vorschlag an dieser Stelle ab, weil er dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen widerspricht“, sagte die saarländische Regierungschefin. „Mindestens kann er nicht gelten für alle, die mit etwas anderem geplant haben.“ Man solle nicht erst in Rente gehen dürfen, wenn der Körper streike. Rehlinger forderte, dass das Rentenpaket nicht komplett aufgeschnürt werden müsse, aber an entscheidenden Punkten Änderungen im Bundestag vorgenommen werden sollten.
Auch Berliner SPD-Spitzenkandidat Krach kritisiert Vorhaben
Aus Berlin, wo im September gewählt wird, kommt ebenfalls Widerstand. Der Landesvorsitzende und SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte dem Tagesspiegel: „Wir müssen die abschlagsfreie Rente nach 45 gearbeiteten Jahren behalten. Alles andere ist ungerecht.“ Damit schließt sich Krach der wachsenden Kritik aus den eigenen Reihen an.
Rentenreformkommission schlägt Abschaffung vor
Die Rentenreformkommission hatte im Juni als eine von 33 Maßnahmen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte vorgeschlagen. Dieser Vorschlag stößt nun auf breiten Widerstand: Bereits vergangene Woche sprachen sich die drei CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dagegen aus. Auch Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Landeschefin Manuela Schwesig hatte sich der Kritik angeschlossen und bekräftigte ihre Ablehnung am Montag erneut.
Druck auf Bundesregierung wächst
Die zunehmenden kritischen Stimmen aus Ost- und Westdeutschland erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, die Pläne zur Abschaffung der Rente mit 63 zu überdenken. Insbesondere in Regionen mit langen Arbeitsbiografien und hoher Erwerbsbeteiligung wird die Maßnahme als ungerecht empfunden. Die Debatte zeigt, dass die Rentenpolitik ein sensibles Thema bleibt, das die Menschen in ihrem Lebensplanung direkt betrifft.



