Europas Rüstungs-Start-ups können bald auf weitere 500 Millionen Euro zugreifen. Der deutsche Investor Earlybird, bekannt für Beteiligungen an Firmen wie Isar Aerospace und N26, und die Beteiligungssparte des französischen Versicherers Axa, Axa Venture Partners (AVP), legen gemeinsam einen neuen Fonds auf. Die Zielgröße beträgt eine halbe Milliarde Euro, wie Earlybird und AVP am Donnerstag bekanntgaben.
Transnationale Zusammenarbeit für die Verteidigungsindustrie
„Diese eher ungewöhnliche transnationale Kooperation trägt dazu bei, die gebotene europäische Konsolidierung unserer Verteidigungsindustrie voranzutreiben, indem wir die beiden größten europäischen Märkte kombinieren“, sagte Earlybird-Partner Hendrik Brandis dem Handelsblatt. Besonders in der Wachstumsphase, in der es um Skalierung und Unternehmensaufbau geht, stehe bisher zu wenig Kapital zur Verfügung. Brandis ergänzte: „In diese Lücke stoßen wir.“
Investitionsplan und Fokusbereiche
Der neue Fonds von Earlybird und Axa plant, sich an rund 20 Start-ups zu beteiligen, mit durchschnittlich je rund 25 Millionen Euro. Das Geld soll jungen Unternehmen in den Bereichen Weltraum, Luft, Land und See zur Verfügung gestellt werden, die sich entweder ausschließlich auf militärische Nutzung oder auf Dual-Use (militärische und zivile Nutzung) konzentrieren.
Bisher sind transnationale Fonds in Europa eher selten. Die unterschiedlichen Rechtsordnungen, Berichtspflichten und Vorgaben für LPs (Geldgeber der Fonds) erschweren die Auflegung. Allerdings haben die Wagniskapitaltochter der deutschen Förderbank KfW, KfW Capital, und die französische Investmentbank Bpifrance erst in dieser Woche angekündigt, in den nächsten sechs Jahren insgesamt 400 Millionen Euro für deutsche und französische Wagniskapitalfonds mit grenzüberschreitendem Investitionsfokus bereitzustellen.
Weniger Abhängigkeit von außereuropäischem Kapital
Die Macher hinter dem „E2D“ genannten neuen Fonds wollen erreichen, dass auch milliardenschwere Rüstungs-Start-ups wie Helsing und Quantum Systems aus Deutschland oder Harmattan aus Frankreich in späteren Firmenphasen nicht mehr auf Kapital aus dem außereuropäischen Ausland angewiesen sind. Helsing bereitet Insidern zufolge gerade eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar vor, die das Unternehmen mit 18 Milliarden Dollar bewerten soll. Dabei wird das Start-up dem Vernehmen nach auch Investoren aus den USA an Bord holen. Das französische Drohnen-Start-up Harmattan griff bei seiner letzten Finanzierungsrunde ebenfalls auf US-Investoren zurück. Harmattan ist das erste Rüstungs-Einhorn aus Frankreich, also eine Firma, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wird.
Zweiter großer Rüstungsfonds in Europa
E2D ist bereits der zweite ausschließlich auf Rüstungsthemen fokussierte Fonds in diesem Umfang in Europa. Erst Anfang des Jahres hatte der Hamburger Investor DTCP einen neuen, 500 Millionen Euro schweren Rüstungsfonds aufgelegt. Das Interesse der Geldgeber sei groß, versicherte Brandis. Kapital komme gleichermaßen von Großkonzernen wie auch großen Finanzinstituten. Details wurden nicht genannt.
Trend zu Rüstungsinvestitionen
E2D dürfte einen Trend manifestieren, der seit dem vergangenen Jahr anhält. Investoren stecken derzeit entweder Geld in KI-Start-ups oder in Rüstungsfirmen. Letzteres hängt auch mit den deutlich gestiegenen Rüstungsausgaben und den vielen anstehenden staatlichen Aufträgen zusammen. So hat Frankreich im Frühjahr angekündigt, das Verteidigungsbudget bis 2030 auf rund 76 Milliarden Euro zu steigern. In Deutschland sollen die Rüstungsausgaben bis 2029 sogar auf 152 Milliarden Euro zulegen.
Mehr: Ein milder Donald Trump und demonstrative Einigkeit: Évian ist Macrons letzter Coup



