Der Inspekteur der Deutschen Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, hat vor einer zunehmenden Bedrohung durch Russland auf See gewarnt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung betonte er, dass die Bedrohung real sei. Besonders in der Ostsee habe die Aggressivität in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Die Marine beobachte vermehrt tief anfliegende russische Flugzeuge über Nato-Schiffen und aggressivere Annäherungen.
Kaack bezeichnete diese Entwicklungen als gefährlich, da es leicht zu einer Eskalation durch Zufall kommen könne. Die russischen Streitkräfte wüchsen sowohl an Menschen als auch an Fähigkeiten, die im Ukrainekrieg täglich erprobt würden. Um Eskalationen zu verhindern, bereite man die Kommandantinnen und Kommandanten gezielt auf solche Situationen vor. Es gebe klare Verhaltensregeln, und diese Szenarien würden in militärischen Planspielen regelmäßig durchgespielt.
Auch Norwegens Armeechef, General Eirik Kristoffersen, sieht eine Bedrohung durch Russland. In einem Interview mit dem Guardian warnte er vor einer möglichen Invasion, die Russland aus seiner Sicht womöglich plant, um seine im hohen Norden stationierten Nuklearwaffen zu schützen. Kristoffersen schloss eine Landnahme durch Russland nicht aus, die Teil eines Plans zum Schutz der eigenen nuklearen Kapazitäten sein könnte. Die Atomwaffen seien das Einzige, was Russland noch geblieben sei, um die Vereinigten Staaten tatsächlich zu bedrohen.
Marineinspekteur Kaack lobte die Nato-Mission Baltic Sentry, die vor einem Jahr zum Schutz von Pipelines und Unterseekabeln in der Ostsee gestartet ist. Immer wieder hatte es dort Sabotageakte von Schiffen mit Verbindungen zu Russland etwa an Unterseekabeln gegeben. Die Reaktionszeit bei verdächtigen Ereignissen habe von 17 Stunden auf eine Stunde verkürzt werden können.
Als größtes Problem nannte Kaack den Personalmangel in den Seestreitkräften. Er betonte, dass das größte Defizit darin bestehe, nicht genug Menschen zu haben. Kaack setzt auf den neuen freiwilligen Wehrdienst und erklärte: '2026 wird unser Jahr des Aufwuchses, ein Jahr des Aufbruchs.'



