Das Aus für das europäische Kampfjet-Projekt FCAS (Future Combat Air System) hat eine neue Entwicklung angestoßen. Eine Allianz aus acht Rüstungsunternehmen unter der Führung von Airbus arbeitet an einer Alternative. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich nun grundsätzlich offen für diesen Vorstoß gezeigt.
Pistorius: „Eine der Möglichkeiten“
Bei einem Besuch in einer Luftwaffenbasis in Mecklenburg-Vorpommern äußerte sich Pistorius zu den Plänen. „Das ist eine der Möglichkeiten, die wir prüfen“, sagte der Minister. Allerdings stellte er klar: „Es ist noch nichts entscheidungsreif.“ Die Initiative der Industrie müsse zunächst konkrete Vorschläge liefern, bevor die Bundesregierung eine Entscheidung treffen könne.
Hintergrund des FCAS-Aus
Das FCAS-Projekt, ein Gemeinschaftsvorhaben von Deutschland, Frankreich und Spanien, war nach jahrelangen Verhandlungen und technischen Differenzen gescheitert. Insbesondere Uneinigkeiten über die Aufteilung der Arbeitspakete und die Führungsrolle hatten zuletzt zu einem Stillstand geführt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte das Aus für das Programm im Mai 2026 verkündet.
Die Alternative: Acht Unternehmen, ein Ziel
Die neue Allianz, zu der neben Airbus auch Unternehmen wie Thales, Dassault Aviation und mehrere mittelständische Zulieferer gehören, will einen eigenen Kampfjet entwickeln. Dieser soll auf bereits vorhandenen Technologien aufbauen und schneller einsatzbereit sein als das ursprüngliche FCAS. Experten schätzen, dass die Entwicklung etwa acht bis zehn Jahre dauern könnte.
- Airbus – Federführung und Systemintegration
- Thales – Elektronik und Sensorik
- Dassault Aviation – Flugzeugzelle und Aerodynamik
- Weitere fünf Partner aus Deutschland, Frankreich und Spanien
Politische Reaktionen
Während die SPD die Offenheit von Pistorius begrüßt, gibt es aus der Opposition Kritik. Der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Johann Wadephul, warnte vor einer „überstürzten Entscheidung“. Die Grünen forderten eine transparente Bewertung der Kosten und militärischen Fähigkeiten. Die FDP plädierte für eine europäische Lösung, um die Souveränität zu wahren.
Nächste Schritte
Das Bundesverteidigungsministerium wird nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Bis Ende des Jahres soll eine erste Bewertung vorliegen, ob die Alternative technisch und finanziell realisierbar ist. Pistorius betonte, dass Deutschland weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit europäischen Partnern setze.



