Taiwan wird während seiner größten Militärübung des Jahres erstmals gezielt das mobile Internet drosseln. Nach Regierungsangaben sind zwei jeweils 30 Minuten dauernde Tests in der kommenden Woche geplant, bei denen die mobilen Datenverbindungen im Norden und in der Mitte der Inselrepublik verlangsamt werden. In den betroffenen Gebieten leben rund 70 Prozent der Bevölkerung.
Einschränkungen bei datenintensiven Diensten
Datenintensive Dienste wie Videotelefonie oder Streaming könnten während der Tests deutlich eingeschränkt sein. Telefonate, SMS, Notrufe und andere wichtige Dienste sollen jedoch weiterhin funktionieren. Ziel ist es, zu erproben, wie die Bevölkerung bei einem Cyberangriff oder einer anderen schweren Krise kommunizieren kann.
Hintergrund: Die Militärübung „Han Kuang“
Die zehntägige Militärübung „Han Kuang“ begann am Mittwoch. Daran beteiligt sind örtlichen Medienberichten zufolge mehr als 20.000 Soldaten, darunter rund 5000 Reservisten. Sie trainieren die Verteidigung der Insel gegen einen möglichen Angriff oder eine Blockade durch China. Marine und Küstenwache proben zudem, wichtige Seewege zu sichern und Lieferungen lebenswichtiger Güter zu begleiten.
Drohnen und Erfahrungen aus Kriegen
Der Einsatz von Drohnen und die Abwehr feindlicher Drohnen werden ebenfalls geübt. Dabei greift Taiwan nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf Erfahrungen aus den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten zurück.
Chinesische Militärpräsenz in der Region
Am Tag vor Beginn der Übung registrierte Taiwan nach eigenen Angaben insgesamt 17 chinesische Militärmaschinen, darunter auch Drohnen in der Region. China betrachtet das seit Jahrzehnten demokratisch regierte Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und schließt nicht aus, die Insel mit militärischer Gewalt unter seine Kontrolle zu bringen.
Die Übung „Han Kuang“ ist ein zentraler Bestandteil der taiwanesischen Verteidigungsplanung. Die erstmalige Drosselung des mobilen Internets zeigt, wie ernst die Bedrohung durch Cyberangriffe und eine mögliche Blockade eingeschätzt wird. Die Tests sollen die Resilienz der Kommunikationsinfrastruktur in Krisensituationen stärken.



