Ab Sonntag, 12.00 Uhr, beginnt in Berlin die Plakatierung zur Abgeordnetenhauswahl. Die Parteien dürfen dann ihre Wahlplakate an den Laternenmasten der Stadt aufhängen – und das erstmals bei Tageslicht. Bisher war der Plakatierungsstart traditionell auf Mitternacht gelegt worden, was für Anwohner und Helfer gleichermaßen unangenehm war. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat das Straßengesetz entsprechend geändert; die Initiative dazu kam von der Regierungskoalition aus CDU und SPD.
Mit dem offiziellen Startschuss am Sonntagmittag beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen am 20. September. Die Plakate werden in den kommenden Tagen das Bild der Hauptstadt prägen und den Bürgerinnen und Bürgern die politischen Botschaften der Parteien ins Gedächtnis rufen.
Fast eine Viertelmillion Plakate für den Wahlkampf
Die Dimension der Plakataktion ist beträchtlich: Allein die fünf im Landesparlament vertretenen Parteien sowie FDP und BSW planen nach eigenen Angaben, zusammen fast eine Viertelmillion Plakate aufzuhängen. Das entspricht einer Zahl von rund 250.000 Exemplaren, die im gesamten Stadtgebiet verteilt werden sollen. Die genauen Stückzahlen der einzelnen Parteien unterscheiden sich, gemeinsam sorgen sie jedoch dafür, dass kein Durchgang, keine große Straße und kaum ein Platz von der Werbung unberührt bleibt.
Die Plakate sind in verschiedenen Formaten und Größen erhältlich, vom klassischen A1-Plakat bis hin zu großflächigen Sonderformaten. Sie werden in der Regel an Laternenmasten befestigt, die im öffentlichen Raum die wichtigsten Träger für politische Werbung sind. Das Aufhängen übernehmen überwiegend Parteimitglieder, oft begleitet von den Spitzenkandidaten, die die Gelegenheit nutzen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Warum der Start nicht mehr um Mitternacht erfolgt
Die Umstellung des Termins von Mitternacht auf Sonntagmittag ist ein historischer Schritt. In den Vorjahren hatte die Plakatierung regelmäßig um Null Uhr begonnen. Das führte zu einer Reihe von Problemen: Anwohner wurden durch laute Arbeiten im Schlaf gestört, und die Helfer mussten bei Dunkelheit auf Leitern steigen, was Unfallgefahren birgt. Mit der neuen Regelung wird darauf reagiert. Die Koalition aus CDU und SPD hatte die entsprechende Änderung des Berliner Straßengesetzes auf den Weg gebracht, um die Bedingungen für alle Beteiligten zu verbessern.
Der neue Termin am späten Vormittag ermöglicht es den Parteien, ihre ehrenamtlichen Helfer besser zu koordinieren. Auch die Öffentlichkeit kann den Plakatierern nun am Tag zusehen – ein durchaus gewollter Nebeneffekt, denn der Wahlkampf wird so transparenter. Die Umstellung hatte das Parlament bereits in diesem Jahr beschlossen, sodass sie erstmals voll zum Tragen kommt.
Die kommenden Wochen bis zur Wahl
Die Plakatierung ist nur der Auftakt eines Wahlkampfs, der in den nächsten sieben Wochen an Intensität zunehmen wird. Neben den Plakaten werden die Parteien auf Veranstaltungen, in sozialen Netzwerken und an Info-Ständen um Stimmen werben. Für die Berlinerinnen und Berliner bedeutet das: Sie werden mit politischen Botschaften geradezu überhäuft – nicht nur visuell, sondern auch inhaltlich.
Die Themen, die im Wahlkampf eine Rolle spielen werden, sind vielfältig. Wohnungspolitik, Verkehr, Bildung und Sicherheit gehören zu den drängendsten Fragen der Stadt. Die Parteien setzen unterschiedliche Schwerpunkte, wollen aber alle mit ihrer Plakatwerbung Aufmerksamkeit erzielen. Die Zahl der Plakate zeigt, wie wichtig den Parteien die Sichtbarkeit im öffentlichen Raum ist – gerade in einer Stadt, in der die Konkurrenz um Aufmerksamkeit groß ist.
Nach der Wahl: Plakate müssen abgehängt werden
Am 20. September wird gewählt. Anschließend haben die Parteien noch eine Woche Zeit, ihre Plakate zu entfernen. Diese Frist ist im Straßengesetz festgelegt. Danach müssen die Masten wieder von politischer Werbung befreit sein. Das Abhängen ist genauso eine logistische Aufgabe wie das Aufhängen – und es zeigt, dass die Plakatierung nur eine temporäre Erscheinung ist, die nach der Wahl endet.
Die Berlinerinnen und Berliner können sich also auf eine intensive Zeit einstellen: Ab Sonntag werden die Straßen farbenfroh und politisch, und nach dem Wahlsonntag wird die Stadt langsam wieder ihr gewohntes Gesicht annehmen. Bis dahin gilt: aufpassen und aufmerksam sein – die Plakate sind ein Spiegelbild der politischen Landschaft kurz vor einer wichtigen Entscheidung.



