Die Berliner CDU hat Kai Wegner als ihren Spitzenkandidaten für die kommende Wahl zum Abgeordnetenhaus nominiert. Auf einem Landesparteitag sprach sich eine breite Mehrheit der Delegierten für den CDU-Landesvorsitzenden und Regierenden Bürgermeister aus. Bei der geheimen Abstimmung entfielen auf Wegner 252 von insgesamt 272 abgegebenen Stimmen, was einem Anteil von 92,6 Prozent entspricht.
Gegenkandidatur von Wolfram Wickert
Zuvor hatte Wolfram Wickert, ein Delegierter aus dem Kreisverband Mitte, überraschend seine Gegenkandidatur erklärt. Er begründete dies damit, dass die CDU einen anderen Spitzenkandidaten benötige. Dennoch setzte sich Wegner deutlich durch.
Wahltermin und Koalition
Das neue Abgeordnetenhaus von Berlin wird am 20. September 2026 gewählt. Derzeit wird die Hauptstadt von einer Koalition aus CDU und SPD regiert. Wegner strebt an, auch nach der Wahl weiterhin Regierungschef im Roten Rathaus zu bleiben.
Weitere Spitzenkandidaten
Die Grünen treten mit Fraktionschef Werner Graf an, die Linke mit Vizechefin Elif Eralp. Die AfD nominierte Landeschefin Kerstin Brinker, die SPD den ehemaligen Staatssekretär Steffen Krach. Das BSW wählte Landeschef Alexander King auf den ersten Listenplatz, die FDP ihren Landesvorsitzenden Christoph Meyer.
Wegners kämpferische Rede
In seiner mehr als einstündigen, kämpferischen Rede wies Wegner auf Erfolge der schwarz-roten Regierungspolitik hin und machte seinen Anspruch deutlich, die Regierung auch nach der Wahl führen zu wollen. „Wir sind erfolgreich gewesen. Es waren drei gute Jahre für Berlin“, sagte Wegner. Er werde dafür kämpfen, dass der pragmatische Kurs weitergeführt werde. In Berlin müsse gesunder Menschenverstand statt linksgrüner Ideologie regieren.
Umfragen und interne Kritik
Bei der vergangenen Abgeordnetenhauswahl im Februar 2023 hatte die CDU mit Wegner als Spitzenkandidat 28,2 Prozent erreicht und war mit Abstand stärkste Kraft geworden. In jüngsten Umfragen schnitt die CDU mit 19 bis 20 Prozent jedoch deutlich schlechter ab. Wegner stand in den vergangenen Monaten auch in der eigenen Partei in der Kritik.
So spielte er beispielsweise Tennis, während Zehntausende Berliner Haushalte keinen Strom hatten, und verschwieg dies zunächst. Auf die Frage, ob dies einen Unterschied gemacht hätte, antwortete er: „Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich eine Stunde joggen gewesen wäre.“



